Kamptal-Diskussion in Gars: Plädoyer für einen lebendigen Kamp

Einigkeit bei Experten und Einheimischen: das unversehrte Kamptal ist Schlüssel für eine positive Entwicklung der Region!

Gars / Kamp (13. Jänner 2018): Gestern Abend waren etwa 80 Personen der Einladung der Aktionsgruppe „Lebendiger Kamp“ gefolgt, um beim Poldiwirt in Gars über die Zukunft des Kamptals zu diskutieren. Anlass für die Veranstaltung war die bevorstehende Umweltverträglichkeitsprüfung für den von der EVN vorangetriebenen Abriss und Neubau des Kraftwerks Rosenburg im Europaschutzgebiet „Kamp- und Kremstal“.

Die Vortragenden kritisierten das Projekt und forderten von Landesrat Stephan Pernkopf die Ausarbeitung und Prüfung einer weiteren Variante zu veranlassen: den Abriss des Stauwehres.Damit könnten Kosten gespart sowie dem Kamptal und seinen Bewohnern ein wertvolles Stück Natur zurückgegeben werden. Im Anschluss an die Vorträge wurde bis spät in die Abendstunden diskutiert.

„Der Kamp oberhalb Rosenburg ist ein vom Fluss geprägter, dynamischer Lebensraum von seltener Ursprünglichkeit,“ betonte der Fotograf und Autor Werner Gamerith in seinem Eröffnungs-Vortrag. „Der beabsichtigte Neubau des Kraftwerks würde zwei Kilometer von diesem Wildfluss vernichten. Eine Stilllegung der historischen Anlage gäbe ihm hingegen vier Kilometer Fliessstrecke zurück. Das reizvolle Engtal mit dem rauschenden Kamp und seiner unglaublich reichen Pflanzen- und Tierwelt sind für die Bewahrung der Biodiversität ebenso wichtig wie für die Entwicklung eines sanften Tourismus für den wachsenden Bedarf an Naturberührung und -erfahrung. Der Strom des Lebens kommt nicht aus der Steckdose!“

Gerhard Egger, Leiter des Flüsse-Teams beim WWF Österreich: „In Österreich gibt es mehr als 5.200 Kraftwerke. Unsere Bäche und Flüsse sind bereits alle 600 m durch Wehre, Staumauern und Sohlschwellen unterbrochen. Ein Neubau des Kraftwerks in Rosenburg zerstört Natur, kostet enorm viel und bringt nicht mal was für den Klimaschutz. Die Energiewende kann nur durch drastische Einsparungen und nicht durch den Ausbau der letzten unzerstörten Flussstrecken – wie dem Flussheiligtum am Kamp – gelingen.“

In einer energiewirtschaftlichen Studie, die im Jahr 2016 im Auftrag des WWF erstellt wurde, fiel das geplante Projekt auch wirtschaftlich in allen Fächern durch (siehe auch die Trend-Grafik). Von 158 untersuchten österreichischen Kraftwerken landet das Kraftwerk Rosenburg an der 4-letzten Stelle, weil die Kosten in keiner Relation zur möglichen Energiegewinnung stehen. „Das Geld wäre besser in Gewässerschutz und Energie-Einsparungsmaßnahmen investiert,“ so Egger.

Eine wesentliche Variante, die im UVP Verfahren zu prüfen wäre, ist der Abriss der Anlage. Dazu müsste die Staumauer beseitigt werden, das historische Krafthaus könnte erhalten bleiben. „LR Pernkopf sollte die EVN umgehend dazu verpflichten, die Kosten und Folgen der Abrissvariante zu erheben. Das gehört einfach in eine umfassende Prüfung der Möglichkeiten dazu“, so Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von Riverwatch, einem Verein zum Schutz der Flüsse. „In vielen Ländern wie Frankreich, Spanien, Schweden und den USA werden längst bestehende Wasserkraftwerke abgerissen, einfach, weil eine Prüfung ergeben hat, dass ein solcher Abriss ökonomisch und ökologisch das Beste ist“.

Der Neubau des Kraftwerks Rosenburg wird durch hohe Subventionen finanziert, die jeder Stromkunde der EVN über zusätzliche Abgaben auf seiner Stromrechnung bezahlt. „Die Stromkunden der EVN sollten sich überlegen, ob sie bei diesem Anbieter bleiben wollen, falls die EVN das KW Rosenburg baut“, so Ulrich Eichelmann abschließend.

Der Vertreterinnen der Naturschutzverbände plädierten unisono dafür, das Natur- und Landschaftskapital des Kamptals auch für die Menschen in der Region zu erhalten, als Grundlage für eine nachhaltige, regionale Wirtschaftsentwicklung. Der Kraftwerksneubau würde nach der Bauphase so gut wie keine Arbeitsplätze schaffen, ein forcierter Naturtourismus hingegen schon. „ Das Kamptal ist eine traditionsreiche Erholungs- und Sommerfrische-Gegend, Gars ist ein bekannter Luftkurort. Die wachsende Sehnsucht vieler Menschen nach unversehrter Natur in der ‚Nähe‘ bietet für das Kamptal vielversprechende Perspektiven, etwa im Bereich Naturtourismus. Doch dafür braucht es aber eine intakte, unverbaute Landschaft!“ sagte Margit Gross vom Naturschutzbund Niederösterreich.

Das EVN-Projekt sieht ein neue, höhere Staumauer, einen entsprechend vergrößerten Stauraum und die Ausbaggerung des Unterwassers auf einer Länge von mehr als einem Kilometer vor. Teile naturnaher Au- und Schluchtwälder würden überflutet bzw. müßten abgeholzt werden. Die genauen Details des EVN-Einreichprojekts sind derzeit aber nicht öffentlich bekannt. 
Naturschützer, Experten und eine Reihe prominenter Persönlichkeiten lehnen Eingriffe in das Naturjuwel Kamptal ab. Naturschutzbund, Riverwatch und WWF hatten wiederholt sowohl die EVN als auch den Mehrheitseigentümer bzw. Genehmigungsbehörde Land NÖ zu einem Dialog über wirtschaftlich und ökologisch verträglichere Alternativen aufgefordert, um unnötige Konflikte und teure Fehlinvestitionen zu vermeiden. Diese Appelle verhallten jedoch ungehört.

Da das kostenaufwändige UVP-Verfahren nun unvermeidlich scheint, werden die Naturschutzverbände die Interessen von Natur- und Landschaftserhaltung konsequent vertreten, auf höchstqualifizierte und unabhängige Gutachter drängen, die Korrektheit der Prüfungen akribisch kontrollieren und für volle Transparenz sorgen.

Wir werden an dieser Stelle  umfassend über die UVP und damit verbundene Aktivitäten berichten… 

Kampschlinge beim Umlaufberg. (c) Werner Gamerith

Veranstaltung (12.1.18) zum Kraftwerk Rosenburg: Freier Fluss oder neuer Stau?

Eine Info- und Diskussionsveranstaltung 
über die Zukunftsperspektiven des Kamptals.

Das Jahr 2018 bringt entscheidende Weichenstellungen für unser Kamptal: Die EVN hält offenbar an ihren Plänen zum Abriss und Neubau des historischen Kampkraftwerks bei Rosenburg fest. Es ist damit zu rechnen, dass rasch nach der NÖ Landtagswahl Ende Jänner das öffentliche Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung gestartet wird.

Das neue Kraftwerk soll eine höhere Staumauer erhalten und das Unterwasser soll auf einer Strecke von mehr als einem Kilometer um bis zu 1,5 Meter tief ausggebaggert werden. Die genauen Details des Kraftwerksprojekts (in einem Europaschutzgebiet) sind derzeit aber öffentlich nicht bekannt. Naturschutzorganisationen haben wiederholt sowohl EVN als auch Mehrheitseigentümer und Genehmigungsbehörde Land NÖ zu einem Dialog über wirtschaftlich und ökologisch verträglichere Alternativen aufgefordert, um unnötige Konflikte und teure Fehlinvestitionen zu vermeiden.

In vielen Ländern werden wirtschaftlich und ökologisch unsinnige Staudämme mittlerweile wieder entfernt. Doch die EVN will eines der bedeutensten naturnahen Flusstäler des Landes neuerlich verbauen. Was würde es Mensch und Natur bringen, wenn der Kamp bei Rosenburg in Zukunft wieder frei fließen könnte? Welche Folgen würde der Kraftwerks-Neubau haben? Wie wirtschaftlich ist das Projekt überhaupt?

Diese Fragen (und mehr) wollen wir diskutieren.

Impulsreferate dazu kommen von: Werner Gamerith (Autor, Fotograf), Gerhard Egger (WWF) 
und Ulrich Eichelmann (Riverwatch). Dann folgt eine Publikumsdiskussion.

Zeit: 12. Jänner 2018, 19 Uhr
Ort: Gasthof Poldiwirt Höchtl, Hornerstr. 201, 3571 Gars am Kamp

Eintritt frei!

Bitte hinkommen und weitersagen / teilen!

Staatsziel Wachstum auf Kosten von Umwelt- und Klimaschutz?

Sorgen über geplante Aufweichungen beim Umweltschutz

2018 wird ein entscheidendes Jahr für das Naturjuwel Kamptal im Waldviertel: die EVN will nämlich die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Abriss des historischen Kampkraftwerks in Rosenburg (in einem Europaschutzgebiet) und dessen größeren Neubau – mit höherer Staumauer und kilometerlanger Unterwasserausbaggerung – in den nächsten Monaten über die Bühne bringen. Nachdem der Mehrheitseigentümer Land Niederösterreich auch gleichzeitig die zuständige Genehmigungsbehörde darstellt, ist die Sorge bei vielen Freundinnen und Freunden des Kamptals erheblich.

Doch das ist nicht der einzige Grund für die zunehmenden Kopfschmerzen bei jenen Menschen in Österreich, denen der Erhalt der heimischen Naturschätze am Herzen liegt: Laut Regierungsprogramm der neuen ÖVP-FPÖ-Koalition könnte es hart erkämpften Umweltschutzgesetzen zugunsten von Wirtschaftsinteressen an den Kragen gehen. Unter anderem sollen Wachstum als explizites Staatsziel definiert und so der umfassende Umweltschutz relativiert sowie die Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) „beschleunigt“ werden.

Die steirische Umweltanwältin Ute Pöllinger äußerte sich im Interview mit der Kleinen Zeitung „entsetzt“ über die Regierungspläne zur Umweltverträglichkeitsprüfung. Unter anderem will die Regierung bei UVP’s einen „Standortanwalt“ einführen, der die Interessen vertritt, die für das zu genehmigende Projekt sprechen. „Das ist schon etwas schräg, wenn man unter dem Titel der Verfahrensbeschleunigung eine zusätzliche Partei ins Spiel bringt, die den Aufwand noch vergrößert. Außerdem glaube ich nicht, dass die Wirtschaft darauf angewiesen ist. Sie vertritt ihre Interessen in der Regel selbst ganz gut,“ erklärte die Umweltanwältin.

Größere Sorgen bereitet Pöllinger auch das Ansinnen der Regierung, Projekten von „langfristiger Bedeutung“ freihändig „öffentliches Interesse“ zu attestieren (wohl um diese  leichter durchsetzen zu können; Anmk.). Pöllinger: „Diese Pläne entsetzen mich. Ich dachte eigentlich, dass wir über den gesetzlichen Standard der 50er- und 60er-Jahre hinaus sind. Werden diese Pläne umgesetzt, würde das dazu führen, dass künftig auch absolut umweltunverträgliche Projekte genehmigt werden könnten. Die Interessen des Projektwerbers würden automatisch über allen anderen Interessen stehen, etwa jenen am Natur- oder Klimaschutz. Das kann es doch nicht sein.“
In der Regel würden nur jene Verfahren lange dauern, wo es eine Vielzahl an Betroffenen gibt. Aber: „Wenn man diese vielen Betroffenen nicht mehr ernst nimmt, zweifle ich am Rechtsverständnis dieser Regierung,“ so Pöllinger.

Auch große Umweltschutzorganisationen haben vor Weihnachten das neue Regierungsprogramms hinsichtlich Umwelt- und Klimaschutz analysiert. Unisono gab es harsche Kritik und es wurde Besorgnis laut. Es werde deutlich, dass die schwarz-blaue Koalition umweltschädliche Großprojekte schneller durchpeitschen will, sagte etwa Hanna Simons, Leiterin der Natur- und Umweltschutzabteilung des WWF Österreich. „Wir sehen die große Gefahr, dass unter dem Deckmantel der Verfahrensbeschleunigung die Umweltstandards gesenkt werden sollen. Dagegen werden wir entschieden auftreten“, kündigte sie an.

Das Wort Naturschutz komme im Regierungsprogramm genau einmal vor und dort auch nur in Verbindung mit schnelleren Betriebsanlagenverfahren. „Während sich zu Natur und Umwelt oft nur schöne Bekenntnisse finden, sind die Pläne für das Durchpeitschen von Großprojekten bereits sehr konkret“, betonte Hanna Simons unter Verweis auf die umstrittene Staatszielbestimmung für den Wirtschaftsstandort, die dritte Piste am Wiener Flughafen, das geplante Standortentwicklungsgesetz sowie zahlreiche Vorhaben für Verfahrenskonzentrationen auch außerhalb der Umweltverträglichkeitsprüfung. „Das könnte zu Lasten von Wasser- und Naturschutz gehen. Der Verdacht liegt nahe, dass die Koalition versucht, die Umweltstandards über die einzelnen Materiengesetze nach unten zu drücken“, warnte sie. Zu hinterfragen ist auch die im Justizkapitel verankerte, aber nicht weiter erklärte „Wirtschaftsgerichtsbarkeit mit dem Primat der Beschleunigung“.

„Die Vorhaben der schwarz-blauen Regierung sind aus ökologischer Sicht derzeit klar unzureichend“, resümierte auch Greenpeace Weihnachten und warnte ebenfalls vor einer „drohenden Beschneidung von Umweltrechten zu Gunsten von Großprojekten“. „Überall dort, wo es um den Abbau von Umweltrechten geht, ist das Regierungsprogramm wesentlich konkreter als dort, wo es um den Schutz der Umwelt geht“, meinte Greenpeace-Sprecher Herwig Schuster in einer Aussendung. Unter dem Deckmantel der Verfahrensbeschleunigung und -vereinfachung solle offenbar gesichert werden, dass im „Zweifelsfall Wirtschaftsinteressen vor Umweltschutz-Anliegen gestellt werden“. „Das ist eine Retro-Umweltpolitik aus den Zeiten vor der Hainburg-Bewegung“, so Schuster.

„Wer Umweltschutz ernst nimmt, darf keine umweltschädlichen Großprojekte forcieren und Bürgerbeteiligungsrechte aushebeln. Ansonsten wird unser wertvolles Naturerbe in Frage gestellt“, so Hanna Simons weiter, die auch Widersprüche im Programm ortete: „Einerseits will die neue Regierung den ökologischen Zustand unserer Fließgewässer verbessern, andererseits im selben Kapitel weitere Verwaltungsvereinfachungen bei der Genehmigung des Ausbaus der Wasserkraft. Das passt nicht zusammen. Unsere Umwelt droht hier zum Verlierer werden.“

Die UVP zum Neubau des Kampkraftwerks Rosenburg  wird vermutlich rasch nach der NÖ-Landtagswahl starten. Derzeit sind keine Details über den Letzt-Stand des Kraftwerksprojekts öffentlich bekannt. Naturschutzorganisationen haben wiederholt sowohl EVN als auch Mehrheitseigentümer und Genehmigungsbehörde NÖ Landesregierung zu einem Dialog über wirtschaftlich und ökologisch verträglichere Alternativen aufgefordert, um unnötige Konflikte und teure Fehlinvestitionen zu vermeiden. Doch diese Appelle verhallten bis jetzt…

Das Kamptal braucht unseren Einsatz im Jahr 2018.
Mehr denn je!

Befreit den Kamp! Riverwatch fordert den Abriss des Staudamms bei Rosenburg

Riverwatch fordert Abriss des EVN Staudamms ++ WegDammit! Initiative für Alpenraum gestartet + Österreich hat höchste Wasserkraftdichte weltweit

Rosenburg, 21.10.2017 Mit einer ungewöhnlichen Aktion forderten Riverwatch heute gemeinsam mit Kajakfahrern aus dem Kamptal den Abriss des Staudamms bei Rosenburg. Auf dem Stausee formierten sie sich mit Kajaks um den schwimmenden Slogan „Befreit den Kamp! KW Rosenburg – WegDammit!“. Die Genehmigung des 1908 errichteten Kraftwerks läuft 2022 aus. „Das KW Rosenburg schadet mehr als es nützt“, so Ulrich Eichelmann von Riverwatch. „Die gesamte Strommenge, die die Anlage produziert, kann heute durch ein einziges Windrad erzeugt werden, dazu muss nicht ein ganzer Fluss leiden.“ Würde der Staudamm abgerissen, könnte der Kamp erstmals seit 1908 wieder in seinem alten Bett beim sogenannte Umlaufberg frei fließen. Fische und andere Wassertiere könnten endlich wieder frei wandern und bekämen neuen Lebensraum. Und das Kamptal wäre um eine Attraktion reicher.

Doch stattdessen plant die EVN den Ausbau der Anlage für ca. 10 Mio Euro. Die bestehende Staumauer soll drastisch erhöht und der Fluss unterhalb des Kraftwerkes eingetieft werden. Dies würde weitere wertvolle Flusslandschaft zerstören. Der Ausbau lohnt sich für die EVN nur, weil sie Subventionen dafür bekommt. Der eigentliche Strompreis ist am Markt derzeit wegen der Stromschwemme so gering, dass ein Ausbau eigentlich nicht profitable ist.  Letztlich würden also die Stromkunden der EVN ein Projekt finanzieren, das energiewirtschaftlich unnötig und ökologisch nachteilig ist.

Österreich ist das Land mit der höchsten Wasserkraftwerksdichte weltweit. Laut der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) gibt es etwa 5.000 Wasserkraftwerke im Land. Davon produzieren die 400 größten Anlagen rund 96% des Wasserkraftstroms. Die 4.600 kleinen Anlagen – darunter das KW Rosenburg – erzeugen also nur 4 % des gesamten Stroms aus Wasserkraft, aber sie zerstören 4.600mal unsere Bäche und Flüsse.

„Wir brauchen nicht mehr Wasserkraftwerke, sondern mehr lebendige Flüsse. Es ist Zeit, dass wir den Abriss veralteter Kraftwerke und Wehre angehen“, so Ulrich Eichelmann.

Die Aktion in Rosenburg ist auch der Auftakt zur internationalen Kampagne „WegDammit!“, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Thema Abriss von Dämmen v.a. im Alpenraum voranzutreiben. Gemeinsam mit der Manfred-Hermsen-Stiftung aus Bremen will Riverwatch innerhalb des nächsten Jahres eine Liste der 50 Staudämme erstellen, die entfernt werden sollen. Daran kann sich jeder beteiligen und Staudämme vorschlagen, die entfernt werden sollen. Dazu kann man diesen online Meldebogen ausfüllen.

Ohne den Abriss von Dämmen sind die rechtlich vorgeschriebenen Ziele der EU Wasserrahmenrichtlinie, nämlich dass bis 2027 alle Flüsse in einen ökologisch guten Zustand gebracht werden müssen, nicht erreichbar.

In den USA sind seit 1998 etwa 1.300 Wasserkraftwerke und Wehre entfernt worden. Auch in Frankreich und Spanien wurden zuletzt vermehrt Wasserkraftwerke abgerissen.

Die Forderungen von Riverwatch

  • KW Rosenburg: Abriss der Staumauer. Als ersten Schritt dahin sollen die NÖ Behörden die Prüfung der Abrissvariante nach ökologischen und ökonomischen Kriterien der EVN vorschreiben.
  • Generell: Beim Umbau und Ausbau bestehenden Anlagen ist die Abrissvariante nach ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten zu überprüfen.
  • Bei behördlichen Verfahren zur Verlängerung von Kraftwerkskonzessionen ist der Abriss der Anlage zu beurteilen.
  • Besitzer von Wehranlagen und Wasserkraftwerken sollen finanzielle Unterstützung für den Abriss bekommen.
  • Die Subventionierung von Neubau und Umbau von Wasserkraftwerken ist zu beenden.

Weitere Informationen

Riverwatch Aktivisten demonstrieren für die Renaturierung des Kamps bei Rosenburg (c)Riverwatch

Naturschutzverbände an EVN-Vorstand: Notbremse ziehen!

Naturschutzbund Niederösterreich, Riverwatch und WWF Österreich rufen die Vorstandsmitglieder des EVN-Konzerns in einem offenen Brief auf, im Fall des geplanten Neubaus des Kraftwerk Rosenburg im Natura 2000-Gebiet Kamptal die „Notbremse zu ziehen“.

„Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum die EVN naturkraft justament im ökologisch herausragenden und historisch ‚belasteten‘ Kamptal (Österreichs erster Kraftwerkskonflikt trug sich hier in den fruhen 1980er Jahren zu) den Neubau eines natur- und landschaftszerstörenden Wasserkraftwerks forciert. Es ist abzusehen, dass dies in einen (teuren) Konflikt mündet, der ähnlich wie im vergleichbaren Fall des Wasserkraftwerksprojektes Ferschnitz an der Ybbs, mit Sicherheit auch die betreffenden EU-Gremien beschäftigen und ein entsprechende Öffentlichkeitswirksamkeit entfalten wird,“ formulieren die Naturschtzorganisationen.

„Wir würden es vielmehr begrüßen, wenn die EVN sich als Partner eines regionalwirtschaftlichen Naturschutzgroßprojektes im Kamptal aktiv beteiligen wurde. Der Kampfluss hat hinsichtlich Wasserkraftnutzung bezogen auf die Lauflänge mehr als genug geleistet.“ Um einen Ausweg aus dem sich zuspitzenden Konflikt zu finden („bevor sich Gräben vertiefen und Geldmittel im Rahmen der UVP vergeudet werden“) fordern sie eine Aussprache mit der EVN-Gesamtführung.

Hier der Brief an den EVN-Vorstand im Originalwortlaut:  BriefEVN_20092017

 

WWF: Unsere Flüsse brauchen mehr Platz. Jeder Hektar zählt!

Wien, am 21. August 2017 (WWF Presseaussendung) – Die Schäden durch Flusshochwässer in Österreich werden aufgrund des Klimawandels um sagenhafte 464 bis 1.317 Prozent steigen, warnt das Joint Research Centre der EU-Kommission (Studie von 2017). Besonders gefährdet sind Flusstäler unseres Landes, weil hierzulande  seit 1950 jeden Tag zwei Hektar wertvoller Wiesen, Äcker und Auwälder verbaut wurden, in Summe eine Fläche von 435 Quadratkilometern, größer als die Stadt Wien. Dabei sind die verlorenen Flächen nicht nur ökologisch wertvoll, sie können als unverbaute Rückhalteräume auch die Hochwassergefahr senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie im Auftrag des WWF, in der die Entwicklung in Österreichs großen Flussräumen erstmals umfassend analysiert wurde. Geht diese Entwicklung ungebremst weiter, droht der Flussinfarkt und eine weiter steigende Hochwassergefahr. Flüsse sind auch wichtige Erholungsgebiete – heute leben 3,7 Millionen Menschen weniger als 2,5 Kilometer von einem Fluss entfernt – das sind 43 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher.
Angesichts der vorliegenden Daten fordert der WWF eine energische Trendwende: Der laufende Flächenverbrauch in den Flussräumen muss in Zukunft drastisch auf ein Viertel reduziert werden.

WWF: Jeder Hektar zählt. Sollen diese naturnahen Ufer im Kamptal beim Öden Schloss (Schlucht-Hangwälder) wirklich in einem schlammigen Stausee versinken?

„Durch den enormen Flächenverbrauch ist die Hochwassergefahr bereits dramatisch gestiegen, denn viele natürliche Überschwemmungsflächen sind unter Beton und Asphalt verschwunden. Diese Flächen fehlen heute, um der steigenden Hochwassergefahr zu begegnen“, skizziert Gerhard Egger vom WWF diese Entwicklung. „Auch viele ehemals häufige Tier- und Pflanzenarten unserer Flusslandschaften haben ihre Lebensräume verloren und sind heute selten und gefährdet“, verweist Egger auf Arten wie Huchen, Flussuferläufer, Tamariske und Amphibienarten wie den Kammmolch.

Die WWF-Flüssevision

Geht die Entwicklung ungebremst weiter, steuert Österreich auf einen „Flussinfarkt“ zu. Bis 2070 würden weitere 211 km2 (+29%) an Siedlungsflächen in den Flussräumen dazu kommen. Der WWF stellt in seiner Studie deshalb ein nachhaltiges Entwicklungsszenario für Österreichs Flüsse vor, die WWF-Flüssevision. „In unserer Flüssevision werden die Ansprüche von Schutzwasserwirtschaft, Ökologie und Erholungsnutzung integriert betrachtet“, erklärt Gerhard Egger.  „Wir zeigen, dass durch die Reduktion des Flächenverbrauchs auf ein Viertel insgesamt 143 Quadratkilometer an potentiellen Überschwemmungsflächen bewahrt werden und den Flüssen rund 56 Quadratkilometer an zusätzlichem Abflussraum zurückgegeben werden können. Dadurch gewinnt Österreich pro Jahr 100 Hektar an intakten Flussräumen als Lebensraum für gefährdete Arten, als Rückhalteraum zur Hochwasser- und Dürre-Vorsorge und als attraktiven Erholungsraum.“

Für die neue Studie wurde die Flächennutzung in den Abflussräumen der 49 größten Flüsse Österreichs von 1870 bis 2010 anhand historischer Karten und Luftbilder untersucht.
Die Ergebnisse: Die Fläche von Gewässern und Uferzonen ist um 146 Quadratkilometer (31 Prozent) zurückgegangen. Offenlandflächen sind um 25 Prozent geschrumpft. Besonders dramatisch sind die Rückgänge von Wiesen, Mooren und Brachen (Verlust von rund 600 Quadratkilometern). Seit dem Jahr 1980 sinkt auch die intensiv genutzte landwirtschaftliche Fläche deutlich (minus 145 Quadratkilometer).
Enorm gestiegen ist im selben Zeitraum der Anteil von bebautem Gebiet: Siedlungen, Infrastrukturflächen und versiegelte Flächen haben in den letzten 150 Jahren um 500 Prozent (in Zahlen: 721 Quadratkilometer) zugenommen…

„Eine aktuelle Studie des Joint Research Centre der Europäischen Kommission geht davon aus, dass die Schäden durch Hochwässer in Österreich durch eine Klimaerwärmung um 2°C um über 450 Prozent, bei Erwärmung um 4°C um über 1.300 Prozent steigen werden“, erklärt Egger und folgert: „Es muss dringend mit der Vorsorge gegen zukünftige Katastrophen und den fortschreitenden Artenverlust begonnen werden. Dafür brauchen wir eine gesamtösterreichische Kraftanstrengung, die Politik, Wirtschaft, Länder, Gemeinden und die Landwirtschaft vereint. Dringend nötig sind Instrumente der überörtlichen Raumordnung, um den Flächenverbrauch in den Flussräumen zu kontrollieren, sowie ambitionierte Gewässerschutz- und Revitalisierungsprogramme.“ Große Unterstützung muss auch die Landwirtschaft erhalten, damit die Flächen in den Talräumen Österreichs erhalten bleiben, im Bedarfsfall aber ihre wichtige Retentionsfunktion erfüllen können.

Hintergrundinformationen und Download der Studie: www.fluessevision.at

 

EVN bleibt starrsinnig – und reicht zur UVP ein

Ferienbeginn, 30. Juni 2017, Freitag Nacht: die EVN verkündet per Presseaussendung, die UVP für den Abriss und Neubau des Kleinkraftwerks Rosenburg gestartet zu haben. Die Presseaussendung und Projektdetails sind jedoch (im Moment) nicht öffentlich verfügbar. Also müssen sich die besorgten BürgerInnen an Medienberichte halten.

Die EVN bleibt also stur. In Gesprächen mit verschiedenen NGOs wurde klar: man könnte sich bei einer reinen Bestandssanierungs-Variante ohne Naturzerstörung treffen. Am besten in Kombination mit einer Solar-Offensive in NÖ. Doch die EVN haben diese Möglichkeit zu einem eleganten und  konfliktlosem Ausstieg aus dem Rosenburg-Murks ungenutzt verstreichen lassen. Offenbar kann man es in der obersten Konzernleitung nicht lassen, frei nach der Devise: wir haben hier das Wasserrecht, also wird auch gebaut.

Leider kommt es nun zu einen (teuren) Gutachterstreit (zu Lasten der Stromkunden) und zu fortgesetzem Nervenverschleiss.

Ob es eine gute Idee ist, den Konflikt ausgerechnet in den NÖ-Wahlkampf hinein zu ziehen, mag dahin gestellt sein.

Die EVN glaubt offenbar mit basarartigem Gefeilsche um die Staumauernhöhe punkten zu können. Das ist aber eine Themenverfehlung. Der Kraftwerksneubau im Natura 2000 Gebiet Kamptal ist energiewirtschaftlich unbedeutend – aber ökonomisch und ökologisch haasträubend. Statt eines der schönsten, naturnahen Flusstäler Österreichs für kaum Stromzugewinn umzugraben, wäre die EVN gut beraten auf die Zukunftsenergie Sonnenstrom zu setzen. Hier hat die „EVN naturkraft“ nämlich eindeutig Aufholbedarf. Warum sieht man in NÖ auf den vielen hässlichen Einkaufszentren kaum Photovoltaik-Kraftwerke?

Das Naturparadies Kamptal braucht jetzt unsere Hilfe!

Danke Wasserkraft?

Der weitere Ausbau der Wasserkraft in Österreich ist wirtschaftlich höchst zweifelhaft, sagt eine WWF-Studie

Wasserkraftprojekte wie das Murkraftwerk in Graz-Puntigam und der geplante Neubau des Kraftwerks in Rosenburg in Niederösterreich sind in einem hohen Ausmaß unwirtschaftlich. Das rechnet eine Studie vor, die vom Energieberater e3 im Auftrag ders WWF erstellt wurde. Dazu hier ein aktueller Artikel im Trend.

Die EVN hat bis dato betont, am Neubau des Kraftwerks Rosenburg festzuhalten. Alle wichtigen Naturschutzverbände bewerten die Ausbaupläne an diesem besonderen Standort aber als äußerst bedenklich – das Kamptal sei hier ein außergewöhnlich wertvoller Naturschatz, Ausbaggerungen und Stauzielerhöhung  wären damit nicht vereinbar.

Der Bau des unwirtschaftlichen Murkraftwerks spaltet derweilen die Bevölkerung in Graz und sorgt für andauernde Konflikte. Bleibt zu hoffen, dass die (neue) Landesregierung in Niederösterreich im Fall Rosenburg weiser agiert und für einen sinnvollen und fairen Ausgleich zwischen Energiewirtschafts- und Naturschutzinteressen sorgt.

Kraftproben á la Murkraftwerk Graz nutzen letztlich niemandem.

Welchen Sinn würde es ergeben, wenn der Konflikt um den wirtschaftlich nicht darstellbaren Kraftwerksneubau in Rosenburg (in einem Nationalpark-würdigen Naturjuwel) ausgerechnet im aufkommenden NÖ-Landtagswahlkampf eskaliert?

Foto-Hommage an das Kamptal: “Das Leben ist ein freier Fluss”

Dreißig FotografInnen präsentieren Fotoarbeiten in der ‘Eremitage am Kamp’; Sonderpräsentation Michael Goldgruber; Ausstellungsdauer: 4.März – 2.April 2017

Mehr als 50 FotografInnen aus Nieder-, Oberösterreich und Wien beteiligten sich am Fotowettbewerb „Das Leben ist ein freier Fluss (2). Nach 3000 Online-Votes und der Bewertung der Bilder durch eine Fachjury stehen nun 40 Siegerarbeiten fest. Zwischen 4. März und 2. April 2017 werden die Fotografien im Kunstraum “Eremitage am Kamp” öffentlich ausgestellt. Die Arbeiten zeigen nicht nur die Schönheit und den Zauber des hier noch frei fließenden Kamps in einem teilweise wildnisartigen Flusstal, sondern auch die Verbundenheit vieler mit dieser einzigartigen Naturlandschaft.
Die 14-jährige Rosa Knecht ist die jüngste Teilnehmerin. Die Schülerin der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt lebt seit fast zehn Jahren mit ihrer Mutter, der Schriftstellerin und Kolumnistin Doris Knecht, im Kamptal und macht mit ihrem berührenden Beitrag „Ein bisschen Leben“ auf das Besondere des Unauffälligen aufmerksam.
Zusätzlich gestaltet Michael Goldgruber in der Eremitage am Kamp einen eigenen Raum mit einer Foto- und Videoinstallation. Der Künstler vertrat Österreich erfolgreich mit seinem Kunstbeitrag „Kicking the Horizon“ bei der Fußball-EM 2016 in Paris und setzt sich in seinem Werk intensiv mit dem „Konsumgut Natur“ auseinander.

Durch Kraftwerkspläne bedrohtes Naturparadies
Die Kunstaktion, die vom Galeriebetreiber und Mitinitiator der Aktionsgruppe “Lebendiger Kamp” Clemens Feigel organisiert worden war, will auch auf die Schutzbedürftigkeit des mittleren Kamptales hinweisen. Die EVN-Naturkraft beabsichtigt, das historische Kraftwerk bei Rosenburg abzureißen und durch eine größere Anlage zu ersetzen. Dieses Vorhaben würde durch einen vergrößerten Stausee und die Ausbaggerung des Kamps auf 1,5 Kilometer Länge eine schwere Beeinträchtigung des Naturraums bedeuten. Das Gebiet ist als Natura 2000-Gebiet geschützt. In den 80-Jahren war hier sogar die Errichtung eines Nationalparks im Gespräch.

Engagierter Kunstraum: “Eremitage am Kamp”
Die Eremitage am Kamp liegt im idyllischem Wegscheid am Beginn eines unverbauten und teilweise sehr ursprünglichen Abschnitt des Kamptals. Die “Kraftorte” des Waldviertels wurden schon oft gepriesen; der 2014 gegründet Kunstraum ist zählt sicher auch dazu.
Frei von öffentlichen Mitteln, ermöglicht der Steuer- und Sozialrechtsexperte Clemens Feigel (Anerkennungspreis Maecenas NÖ 2016) Ausstellungen, die neben dem künstlerischen auch gesellschaftspolitischen Inhalt vermitteln: „Kunst reflektiert die Umwelt und kann auch manchmal weh tun.“ Reflektiert wurde das Bauvorhaben der EVN bereits vor einem Jahr.
Viele namhafte und ortsverbundene KünstlerInnen (u.a. Iris Andraschek, Sonia Gansterer, Gudrun Kampl, Franziska Maderthaner, Alois Mosbacher, Daniel Spoerri) bezogen mit ihren Werken im Rahmen der Ausstellung “Das Leben ist ein freier Fluss” (1) in der Galerie Stellung für die Erhaltung der Natur.
„Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Mündigkeit und Verantwortung jedes einzelnen ist jetzt mehr gefragt denn je. Parolen gehören hinterfragt: Der ‚saubere Strom aus Wasserkraft’ bedeutet einen in Wahrheit nicht zu verantwortenden Naturverbrauch. Dahinter steckt ein wirtschaftlich unrentables und ökologisch von den Naturschutzverbänden WWF und Naturschutzbund NÖ abgelehntes Projekt, welches einen seltenen Lebensraum für Tiere und Pflanzen weiter beschneidet. Die dürftige Stromproduktion steht in keinem Verhältnis zum angerichteten Schaden und rechnet sich für den Konzern bestenfalls in etlichen Jahrzehnten – und das auch nur  mit Hilfe von Ökoförderung, die wir als Konsumenten einzahlen“, betont Clemens Feigel.

Info: „Das Leben ist ein freier Fluss (2) – die Ausstellung zum Fotowettbewerb
Eröffnung: 4. März 2017 um 16 Uhr
Ausstellungsdauer: 5. März bis 2. April 2017
Öffnungszeiten Do. 16 – 20 Uhr, So. 14 – 20 Uhr bzw. gegen Voranmeldung
Adresse: 3593 Wegscheid am Kamp, Nr. 14

www.eremitageamkamp.at

Teilnehmende FotografInnen:
Eva Bauer, Zöbing
Johann Berger, Zwettl
Jürgen Berger, Langenlois
Andrea Brückner, St. Leonhard am Hornerwald, Wien
Wolfgang Dolak, Schrems
Hemma Faiman, Langenlois
Peter Faschingleitner, Reinsberg
Werner Gamerith, Waldhausen
Helga Klinger, Gars am Kamp
Rosa Knecht, Wegscheid am Kamp, Wien
Astrid Knie, Wien, Stiefern
Sarah Kupfner, Gars am Kamp
Florian Leitner, Zwettl
Peter Lenz, Neustift, Kirchberg am Wagram
Petra Lepuschitz, Wien
Julia Mang, Gars am Kamp
Josef Moritz, Rechberg
Rudi Mück, Gars am Kamp
Elisabeth Riederer, St. Leonhard
Sabine Scherbl, Wegscheid am Kamp
Matthias Schickhofer, Wien
Alexander Schneider, Perg
Josef Stefan, Ziersdorf
Sibylle Steidl, Gars am Kamp
Subhash, Hausbach / Schwarzenau
Stefan Teufl, Rudmanns
Birgit Walk, Wien
Doris Walter, Gars
Gerald Wippel, Ternitz
Anton Zach, Weitra
Barbara Zohner, Krems

 

Kraftwerkskonflikt in Graz: Stur an der Mur

Die Wahlnacht war noch nicht zu Ende, fuhren schon die schweren Maschinen auf: Seit Montag 6. Februar wird am Ufer der Mur in Graz gerodet. Der Grund dafür ist ein höchst umstrittenes Kraftwerk, das nach Meinung sämtlicher Naturschutzorganisationen weder ökologisch noch ökonomisch Sinn ergibt.

Das Magazin News berichtet aktuell ausführlich darüber.

Der WWF-Flussexperte Gebhard Tschavoll meint dazu: „Bevor die letzten frei fließenden Flussstrecken verbaut werden, sollten vorhandene Mittel in zukunftsfähigere Projekte investiert werden.“ Der WWF hat zur Entwicklung ausführlich Stellung genommen: WWF verurteilt Rodungen.

Eine vom WWF in Auftrag gegebene Wirtschaftlichkeits-Studie zu aktuell geplanten Wasserkraftwerken in Österreich kommt zum klaren Ergebnis: Das Murkraftwerk rechnet sich nicht. Noch schlimmer steht es übrigens um den von der EVN geplanten Neubau des Kraftwerks Rosenburg…  Das Projekt ist wirtschaftlich nicht darstellbar.

Laut Berechnungen der Grünen könnten mit den Projektkosten des Murkraftwerkes 750 Gebäude in Graz thermisch saniert werden. Mit einer Investition von 74 Millionen Euro in Photovoltaik-Anlagen könnte man denselben Energie-Output wie das  Murkraftwerk erzielen, ohne, dass ein einziger Baum gefällt werden muss.

Die Grazer Initiative „Mur findet Stadt“ hat eine höchst interessante Alternative zur Verbauung der Mur in Graz vorgeschlagen: Die Mur renaturieren und den Grazerinnen und Grazern als Erholungs.- und Naturraum zurückzugeben…

Das Polit-Establishment von Graz hält aber nach wie vor stur am Kraftwerk an der Mur fest. Die Frage stellt sich: warum?

Unterdessen spitzt sich die Lage am Murufer zu: Viele Menschen demonstrieren friedlich für Demokratie (Abhaltung einer Volksbefragung)  und gegen das Kraftwerk. Ein Aktions-Camp wurde errichtet. Es wurden aber bereits gewaltsame Übergriffe von Sicherheitsleuten gegen Umweltschützer dokumentiert.

Wir hoffen, dass die Regierenden von Graz den Ausstieg aus diesem selbstverschuldeten Debakel bzw. dieser sinnbefreiten Eskalation schaffen, bevor noch mehr Schaden angerichtet wird.

Und wir hoffen, dass Niederösterreich g’scheiter ist und eine derartige Situation am Kamp gar nicht erst entstehen läßt…

Aktuelle Infos zu Widerstand, Mitmachen und Hintergrund gib es hier: Rettet die Mur!