150 Menschen kamen zum Lokalaugenschein beim Kraftwerk Rosenburg

EVN hält am Neubau des Kamp-Kraftwerks Rosenburg fest 

Umweltschützer reagieren enttäuscht und kündigen Widerstand an

Die EVN informierte heute, Freitag 12.8.2016, die Naturschutzverbände, dass der behördliche Genehmigungsprozess  beim Neubau des historischen Kleinwasserkraftwerks Rosenburg im Rahmen einer ‚Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)‘ stattfinden wird. Laut einem Konzernsprecher sei das vom Amt der NÖ Landesregierung so entschieden worden, nun werde das Detailprojekt ausgearbeitet. Damit hat die EVN wohl die Entscheidung getroffen, das Kraftwerk einzureichen und das Verfahren durchzuziehen. Die „Aktionsgruppe Lebendiger Kamp“ reagiert enttäuscht auf diese Verlautbarung und kommentiert die Entwicklung wie folgt:

„Es gab mehrere Kooperations-Angebote von Umweltschutzorganisationen an die EVN „naturkraft“. Damit sollte ein Weg gefunden werden, der die einmalige Naturlandschaft im mittleren Kamptal vor weiteren schwerwiegenden Eingriffen verschont, die Region wirtschaftlich stärkt und Vergeudung von Geld der EVN-Kunden sowie öffentlicher Mittel vermeidet. Die EVN hat diese Botschaft offenbar nicht verstanden oder nicht ernst genommen.

Es ist angesichts der offenkundigen energiewirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit, der Unwirtschaftlichkeit, der unvermeidlichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und der stark negativen ökologischen Auswirkungen des Kraftwerks-Neubaus unverständlich, warum die EVN an dem Projekt festhält.

Wir haben wiederholt an den EVN-Mehrheits-Eigentümer, das Land NÖ appelliert, das Projekt zu stoppen, um weitere Konflikte und Schäden für die Umwelt zu vermeiden. Diese Aufforderung halten wir – mit gesteigerter Vehemenz – weiterhin aufrecht. Das gleiche gilt für das Angebot, einen gemeinsamen Weg ohne Kraftwerksneubau zu finden.

Sollte die EVN das Projekt aber tatsächlich zur Genehmigung einreichen, werden wir sehr darauf Acht geben, dass alle rechtlichen Rahmenbedingungen genauestens eingehalten werden. Besonders werden wir unser Augenmerk darauf richten, dass unabhängige Gutachter involviert werden, die von allen anerkannt sind und die unbefangen agieren können. Aufgrund der Erfahrungen bei den historischen Auseinandersetzungen im Kamptal wie auch in Hainburg in den Achtzigerjahren sind wir überzeugt, dass ein positiver Behördenentscheid für einen Kraftwerksneubau in einem Landschafts- und Europaschutzgebiet nur durch Rechtsbeugung zustande kommen kann. Sollte dieser Fall eintreten, werden wir – wie dies auch beim EVN-Kraftwerksprojekt Ferschnitz an der Ybbs erfolgreich passiert ist – die Europäische Kommission einschalten. Das mittlere Kamptal ist ein in Österreich einzigartiges Naturjuwel. Wir werden es mit aller Kraft verteidigen.“

Kamp beim Öden Schloss. Bei der "ökologisch optimierten" würde der Fluss hier nicht mehr fliessen. (c) Werner Gamerith

Vortrag von Werner Gamerith: Naturjuwel Kamptal

Vom rauen Waldviertel bis zum Weinbaugebiet beherbergt das Kamptal wertvollste Natur- und Kulturlandschaften mit interessanten Pflanzen, Tieren und Lebensräumen. Leider droht schon wieder ein Kraftwerksbau in einem besonders sensiblen Abschnitt des Mittellaufs.

In Bild und Wort vermittelt der Vortrag Schönheit und Wert dieses Schatzes.

Wann? Mittwoch 8.Juni 2016, 18:30

Wo? Naturhistorisches Museum Wien, Vortragssaal

Bitte hinkommen und weitersagen!

WWF warnt vor weiterem EU-Verfahren in der Causa Kraftwerk Rosenburg

WWF Presseinformation
EU-Rüffel für Österreich beim Kraftwerk Ferschnitz: WWF warnt vor weiterem EU-Verfahren in der Causa Kraftwerk Rosenburg am Kamp
Utl.: Kraftwerksneubau im Kamptal würde seltene Au, Naturwald und intakte Fließstrecke schädigen
Wien am 29. April 2016 – Angesichts der gestrigen EU-Rüge für Österreich wegen Nichtbeachtung von EU-Naturschutz-Vorschriften (Natura 2000) beim Bau des Ybbs-Kraftwerks bei Ferschnitz in Niederösterreich warnt der WWF vor ähnlichen Konflikten im Fall des Kraftwerks Rosenburg am Kamp.
Christoph Litschauer, Flussexperte beim WWF Österreich, kommentiert die Situation wie folgt:
„Der von der EVN beabsichtigte Neubau des Klein-Kraftwerks Rosenburg hätte schwere Beeinträchtigungen von natürlichen Lebensräumen zur Folge, die als Europaschutzgebiet gewidmet sind. Die geplante Anhebung des Wasserspiegels durch eine neue Staumauer würde eine sehr seltene Hartholzau und natürliche Ufer von prioritär geschützen Schlucht- und Hangmischwäldern beeinträchtigen. Dies widerspricht dem Erhaltungsziel des Natura 2000-Gebietes und kann, ähnlich wie beim Kraftwerk Ferschnitz an der Ybbs, zu einem EU-Vertragsverletzungsverfahren führen. Außerdem drohen schwere Schäden für den natürlichen Fluss durch Ausbaggerungen im Unterwasser. Wir appellieren dringend an die EVN und ihre Eigentümer, allen voran das Land NÖ, weitere Konflikte zu vermeiden und von jeglichen neuen Eingriffen in das Europaschutzgebiet Abstand zu nehmen!“

EU-Rüge für Österreich: Nichteinhaltung von EU-Richtlinie im Fall Kraftwerk Ferschnitz / Ybbs

EU-Kommission kritisiert Österreich (neben anderen) für Nicht-Einhaltung der der Natura-2000-Bestimmungen in NÖ: „Bei dem fraglichen Gebiet (Kraftwerk Ferschnitz / Ybbs, Anmk.) handelt es sich um eines der beiden wichtigsten Gebiete zur Erhaltung des Huchens (hucho hucho). Das gesamte Gebiet befindet sich in einem nicht zufriedenstellenden Zustand, und das Vorhaben würde die Belastung der Gewässer am Standort noch erhöhen. (…) Da die österreichischen Behörden das Verfahren nicht ordnungsgemäß angewandt haben, übermittelt die Kommission Österreich nun eine mit Gründen versehene Stellungnahme und fordert das Land auf, die FFH-Richtlinie vollständig einzuhalten. Kommt Österreich dieser Aufforderung nicht binnen zwei Monaten nach, kann die Kommission den Fall an den Gerichtshof der Europäischen Union verweisen.“

Hier findet sich die Presseerklärung der EU-Kommission

Wir fragen uns: Soll sich dieser Vorgang im Fall Kraftwerk Rosenburg wiederholen? 

Landesrat Stephan Pernkopf hat leider auf den offenen Brief von Naturschutzbund, WWF und Riverwatch mit der Bitte um ein konstruktives Gespräch („Flüsse-Gipfel“) über die EVN-Pläne in Rosenburg bis Dato (29. April 2016) noch immer nicht reagiert…

 

Kamp beim Öden Schloss. Bei der "ökologisch optimierten" würde der Fluss hier nicht mehr fliessen. (c) Werner Gamerith

Offener Brief: NGOs fordern Flüssegipfel zur Zukunft des Kamptales

Sehr geehrter Herr Landesrat,
die aktuellen Entwicklungen beim Wasserkraftausbau in Niederösterreich und insbesondere im Kamptal erfüllen die unterzeichnenden Naturschutzorganisationen mit großer Sorge.

Wir begrüßen die Initiativen des Landes Niederösterreich, den Anteil der Erneuerbaren zu steigern, Verbrauchsziele zu definieren und die Energieeffizienz voranzutreiben. Eine undifferenzierte Befürwortung der Wasserkraft ist jedoch sehr bedenklich. So steht beim Kraftwerk Rosenburg am Kamp der geringe energetische Zugewinn von  1,8 GWh/a in keinem Verhältnis zum Verlust an Flussnatur, der mit dem Neubau einhergeht. Zu den Schäden an den bedrohten Arten und Lebensräumen des Europaschutzgebiets gesellen sich potentielle negative Auswirkungen auf das soziale Klima und auf die Reputation von Betreiber und Politik: Das Kamptal war noch vor dem historischen Konflikt in den Hainburger Donau-Auen Schauplatz der ersten harten Auseinandersetzung zwischen Kraftwerksbetreibern und dem Naturschutz.

Im Sinne einer vorausschauenden Planung und zur Konfliktvermeidung wäre die Energiewirtschaft deshalb gut beraten, die Sensibilität von Standorten zu bedenken und gemeinsam mit Umweltverbänden in einem ehrlichen und transparenten Prozess nach Lösungen zu suchen. Beim geplanten Neubau des Kraftwerks Rosenburg ist die Einbindung der NGOs misslungen: Mit den NGOs getroffene Abmachungen hinsichtlich der Variantenprüfung wurden nicht eingehalten, ihre Bedenken nicht berücksichtigt. Im Gegenteil: Die im Dezember 2015 präsentierten EVN-Pläne zielen sogar auf wesentlich massivere Eingriffe in die Naturgüter ab, als dies zu Beginn des so genannten „Beteiligungsprozesses“ im Juni 2015 kommuniziert wurde. Die fundierten inhaltlichen Stellungnahmen der Naturschutzorganisationen wurden nicht eingearbeitet, sondern lediglich als „Anhang“ erwähnt. Eine solche Vorgehensweise ist nicht geeignet, konstruktive zivilgesellschaftliche Mitwirkung zu stärken, zerstört Vertrauen und schürt den Konflikt.

Die Umweltorganisationen Naturschutzbund NÖ, Riverwatch, der WWF Österreich sowie zahlreiche engagierte Privatpersonen und Künstler der Region befürchten, dass die aus unserer Sicht inakzeptable Vorgangsweise rund um die geplante Neu-Errichtung des Kraftwerks Rosenburg ein Präzedenzfall für ähnlich gelagerte Projekte werden könnte.
Wir sind zudem der Überzeugung, dass auch die Einhaltung der EU-Richtlinien (Natura 2000, Wasserrahmenrichtlinie) hier nicht gegeben ist: Im ökologisch herausragenden Kamptal ist besonderes Augenmerk auf das Unterbinden von Verschlechterungen für Schutzgüter und Gewässer-Qualitätskriterien zu legen. Ein „überwiegendes öffentliches Interesse“ an einem Neubau des KW Rosenburg ist angesichts der energetischen Bedeutungslosigkeit des Vorhabens schwer argumentierbar.
Die letzten großen naturnahen Flusstäler des mittleren Kamps, der Ybbs und der Erlauf haben nicht nur eine außergewöhnliche ökologische Bedeutung, sondern sollten auch als Reliktstandorte anderswo längst verschwundener Flussnatur für nachfolgende Generationen erhalten bleiben.
Sehr geehrter Herr Landesrat, Sie haben auf unsere Initiative vom Dezember 2015 für einen Niederösterreichischen Flüssegipfel bis heute nicht reagiert. Wir sind weiterhin zu einer konstruktiven Zusammenarbeit bereit und möchten unser Dialogangebot mit Nachdruck erneuern. Um eine Lösung zu finden, die sowohl dem Naturschutz als auch dem Klimaschutz zuträglich ist, bedarf es einer ausgewogenen Entscheidung des Mehrheits-Eigentümers und der Politik.
Wir ersuchen Sie eindringlich, unser Dialogangebot anzunehmen und zügig den „Flüsse-Gipfel“ über die Zukunft des Kamptales anzuberaumen. Wir sind überzeugt, dass es möglich ist, einen Konflikt wie in den 80iger-Jahren zu vermeiden und gemeinsam Lösungen zu finden.

Mit freundlichen Grüßen, 

für die Initiative Lebendiger Kamp
Andrea Johanides
WWF Österreich

DI Ulrich Eichelmann
Riverwatch

Univ.-Prof. Dr. Walter Hödl
Naturschutzbund NÖ

(11.3.2016)

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Das Leben ist ein freier Fluss – Ausstellung, Eremitage / Kamp (6.3.-1.5.)

Der beabsichtigte Ausbau des Kleinkraftwerks Rosenburg bedroht einer der letzten ursprünglichen Flusslandschaften Österreichs. Unter dem Deckmantel „saubere Energie“ soll ein kleines aber unschätzbares Naturreservat für eine mögliche Gewinnoptimierung der EVN zurechtgestutzt werden.

Dreißig Künstler und Künstlerinnen nehmen mit ihren Arbeiten Stellung, warum die Erhaltung einzigartiger wilder Räume zum Menschsein unerlässlich ist. Die generationenubergreifende Bedeutung dieses drohenden Verlustes wird auch dadurch verdeutlicht, wenn zwischen der jüngsten Mitwirkenden, Simone Einfalt (geb. 1990) und der ältesten, Tatjana Gamerith (geb. 1919), fast ein dreiviertel Jahrhundert Lebenserfahrung liegen. Die Sehnsucht, dass nicht alles was uns wichtig ist, einer wirtschaftlichen Maximierung geopfert wird, bleibt bestehen!

Mit:
Iris Andraschek, Peter Berger, Christina Chra Nemec, Eva Eder N., Simone Einfalt, Tatjana Gamerith, Sonia Gansterer, Dieter Graf, Michael Goldgruber, Karin Hatwagner, Gudrun Kampl, Noemi Kiss, Hubert Lobnig, Michael Ollinger, Franziska Maderthaner, Christine Maringer, Norbert Maringer, Alois Mosbacher, Robert Petschinka, Eugen Plan, Stefan Sakic, Matthias Schickhofer, Claudia Schumann, Franz Seitl, Gudrun Seitl, Daniel Sporri, Janos Szabo, Barbara Raderscheidt, Christoff Wiesinger, Hans Wortl

Eröffnung am Sa., 05. Marz 2016 um 16 Uhr
Ausstellungsdauer: 06.03 – 01.05.2016

Öffnungszeiten: Do 16 – 20 Uhr, So 10 – 20 Uhr
3593 Wegscheid am Kamp, Wegscheid 14
Kontakt: Obmann Clemens Feigel, Tel. 0664 5655100

http://eremitageamkamp.at/

Idyllischer Kamp beim Öden Schloss. (c) Werner Gamerith

NGOs fordern „Flüsse-Gipfel“ von der NÖ-Landesregierung

EVN-Projekt mit EU-Wasserrahmenrichtlinie und Naturschutz nicht vereinbar

Fast auf den Tag genau 31 Jahre nach dem Beginn der Besetzung der Hainburger Au verkündete die EVN kürzlich, das alte Kraftwerk Rosenburg im Europaschutzgebiet Kamptal abreißen und durch eine größere Anlage ersetzen zu wollen. Alle großen Naturschutzorganisationen lehnen einen Kraftwerksausbau an diesem Standort ab und haben ausführliche Einwände eingebracht. Die EVN hat ihre Bedenken jedoch ignoriert und will eine bereits im Juni favorisierte Ausbau-Variante unverändert zur Genehmigung durch ihren Mehrheitseigentümer, das Land NÖ, einreichen. „Das Kraftwerk Rosenburg ist ein Affront gegen den Naturschutz und die Bürgerbeteiligung! Energetisch und für den Klimaschutz spielt es keine Rolle, aber es vernichtet kilometerweise Flussnatur“, so die Vertreter von WWF, Naturschutzbund und Riverwatch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien.

Die NGOs fordern nun vom EVN-Eigentümer-Vertreter Landeshauptmann Erwin Pröll und Umweltlandesrat Stephan Pernkopf einen „Flüsse-Gipfel“, um weitere Konflikte zu vermeiden und intelligente Lösungen zu finden. Statt unsinnige Kraftwerke in Schutzgebiete zu bauen, solle das Land lieber auf nachhaltigen Naturtourismus setzen. Die intakte Natur des Kamptals als Erlebnis- und Erholungsraum sei schließlich ein unersetzliches Kapital für die Region, so die Naturschutzorganisationen.

Minimaler Stromgewinn – großer Verlust für den Kamp

Die EVN will das alte Lauf-Kraftwerk am wildromantischen Umlaufberg durch eine größere Anlage ersetzen: Der bestehende Damm soll auf 6,5 Meter erhöht und die natürliche Flusssohle entlang von 1,2 Kilometern um 1,5 Meter vertieft werden. Der Stauraum würde sich dadurch auf insgesamt einen Kilometer verlängern und einen ökologisch wertvollen, äußerst idyllischen Talabschnitt mit Wildnis-Charakter in einen öden See verwandeln.

Der Waldviertler Autor und Fotograf Werner Gamerith war Teil des Bürgerwiderstands, der 1983 ein Großkraftwerk an derselben Stelle verhindern konnte. Für ihn steht die Glaubwürdigkeit der NÖ Landespolitik in Energie- und Umweltfragen nun erneut auf dem Prüfstand. „Für eine lächerlich geringe Energieausbeute soll in Zeiten eines Stromüberangebotes einer der wenigen verbliebenen wertvollen Abschnitte des Flusstales dauerhaft geschädigt werden? Der Kamp ist bis bereits jetzt durch die bestehende Kraftwerkskette bis in den Unterlauf belastet. Der Hausverstand sagt einem, dass Stauen und Ausbaggern zusätzliche Belastungen bringen. Das macht die gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie vorgeschriebene Sanierung des Kamps unmöglich. Wie soll ein Kraftwerksausbau hier ohne Rechtsbeugung durchsetzbar sein?“, schüttelt Gamerith den Kopf.

Pseudo-Einbindung der NGOs durch die EVN
Obwohl es laut der internationalen Aarhus-Konvention für Österreich verpflichtend ist, anerkannte Umweltorganisationen in wichtigen Umweltfragen einzubinden, wurden die Stellungnahmen der NGOs zum Kraftwerk Rosenburg nicht berücksichtigt. Margit Gross, Geschäftsführerin des Naturschutzbund Niederösterreich, kritisiert: „Angesichts der gravierenden Auswirkungen des Projektes auf Landschafts- und Naturschutz wäre die EVN gut beraten gewesen, die Expertenmeinungen ernst zu nehmen. Was am Kamp passiert ist, war ein Missbrauch der Bereitschaft der NGOs, sich fachlich einzubringen und hat der Idee der Bürgerbeteiligung sehr geschadet.“ Für einen ernst gemeinten Dialog im Zusammenhang mit einer Sanierung – nicht eines Neubaus – des Kraftwerks Rosenburg stehe man jedoch weiterhin zur Verfügung.

Für Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von Riverwatch, ist das EVN Projekt Rosenburg der Versuch, den Ausbau des Kamp und vieler weitere Flüsse Niederösterreichs – getarnt als Sanierung – voranzutreiben. Das Land NÖ wolle die Stromerzeugung bis 2030 um rund 470 GWH ausbauen. Den Großteil davon sollen Kleinwasserkraftwerke erbringen. Wenn all diese Kraftwerke, nach dem Vorbild des Kamp, „erneuert“ werden, dann würde das bedeuten: Hunderte Kilometer mehr gestaute Flüsse, noch mehr massive Eingriffe in geschützte Lebensräume und Verschlechterungen für bedrohte Arten. Außerdem sei der Stromgewinn gar nicht notwendig, denn in NÖ produzieren fünf Großwasserkraftwerke insgesamt 59 Prozent des Stroms, dagegen weitere 567 kleinere Wasserkraftwerke nur vier Prozent. Eichelmann erklärt: „Was die EVN hier plant, ist eine Flusszerstörung im neuen Gewand. Die Entfernung des Stauwehres in Rosenburg ist aus ökologischer und ökonomischer Sicht die einzig sinnvolle Variante. Niederösterreich braucht nicht mehr Kraftwerke, sondern mehr intakte Flüsse!“

WWF: Keine Kraftwerke in Schutzgebieten
Fast zwei Drittel der heimischen Fließgewässer sind bereits durch Wasserentnahme, Aufstau, Regulierungen oder Begradigungen ökologisch degradiert. Gleichzeitig braucht es unbestritten eine Energiewende. WWF-Flussexperte Christoph Litschauer: „Es ist grundsätzlich sinnvoll, bestehende Kraftwerke zu optimieren. Entscheidend für den Ausbau ist jedoch die Wahl der richtigen Standorte! Rosenburg ist bereits das zweite EVN-Kraftwerksprojekt, das in einem Europaschutzgebiet geplant wird und es widerspricht dem Ökomasterplan des WWF“, so Litschauer. Für ihn geht es um mehr als um ein lokales Wasserkraftwerk: Österreich hat mit rund 75 Prozent bereits einen der höchsten Ausbaugrade der Wasserkraft weltweit.

Klimaschutz nicht gegen Naturschutz ausspielen
Die Naturschutzorganisationen sprechen sich daher für die Varianten „Bestandssanierung“, also Modernisierung des Kraftwerks ohne dauerhafte Eingriffe in den Fluss, oder die Variante „Flusssanierung“, also den Rückbau der Kraftwerksanlage, aus. Klimaschutz erfordere eine umfassende Strategie und dürfe nicht dafür herhalten, für eine magere Stromausbeute letzte Naturräume zu zerstören, zumal in NÖ bereits 572 Wasserkraftwerke stehen. Außerdem müssen gleichzeitig alle Effizienzpotentiale genutzt werden, wenn eine echte Energiewende angestrebt wird.

Die Naturschutzorganisationen richten daher an das Land Niederösterreich als Mehrheitseigentümer der EVN –  allen voran Landeshauptmann Erwin Pröll und den zuständigen Landesrat Stephan Pernkopf – den dringenden Aufruf, im Rahmen eines „Flüssegipfels“ eine umfassende und nachhaltige Lösung für Naturschutz und Klimaschutz in Niederösterreich zu erarbeiten.

Stauwurzel das alten Kraftwerks. Durch den Neubau würde der gesamt Bereich im 2,5 - 4 Meter höheren Staubereich versinken.

EVN legt sich auf Ausbau des Kraftwerks Rosenburg fest

Naturschutzverbände und Wissenschaftler kritisieren Pseudo-Bürgerbeteiligung und kündigen Widerstand an

Nun könnte das Kamptal doch zum zweiten Mal nach den 1980er Jahren Schauplatz einer Auseinandersetzung um den Bau eines Wasserkraftwerkes werden. Laut einem EVN-Sprecher will das Unternehmen eine „Wasserspiegelanhebung im Oberwasser“ von 2,5 Meter sowie eine „Eintiefung des Kamp im Unterwasser“ um 1,5 Meter zur Genehmigung beim Mehrheitseigentümer, dem Land Niederösterreich, einreichen. Dadurch würde der Kamp auf 1,5 Kilometer Länge durch Stauverlängerung und Unterwassereintiefung zusätzlich zerstört.

Der WWF, der Naturschutzbund, Riverwatch, BirdLife Österreich, das Forum Wissenschaft und Umwelt sowie etliche Fachleute lehnten in ihren Stellungnahmen unisono die vorgeschlagenen Neubauvarianten als nicht vertretbaren Eingriff in eine der letzten freien und geschützten Fließstrecken Österreichs ab. „Dass die EVN nun exakt jene Variante einreichen will, die sie schon im Juni präsentiert hat, ist eine herbe Enttäuschung und empfinden wir als Frozzelei. Mit einer derartigen Pseudo-Einbindung fügt die EVN auch der Idee der Bürgerbeteiligung ernsthaften Schaden zu. Nun ist das Land Niederösterreich am Zug, diesem Spiel ein Ende zu setzen“, sagt Christoph Litschauer, Flussexperte des WWF Österreich.

Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes soll eine der wertvollsten Flussstrecken Österreichs zerstört werden. „Anstatt in nachhaltige Energieversorgungsprogramme zu investieren will die EVN nun schon das zweite Kraftwerk in einem Europaschutzgebiet verwirklichen“, stellt Ulrich Eichelmann von Riverwatch fest. „Das ist kein Klimaschutz, das ist ganz simpel ein Naturverbrechen“, so Eichelmann.

Das EVN-Projekt Ferschnitz an der Ybbs liegt nach EU-Klage auf Eis. „Das Kampprojekt könnte denselben Weg gehen. Anstatt in veraltete Ausbaukonzepte, sollte die EVN endlich in ein modernes Energieversorgungskonzept investieren, das auf Energieeinsparung ausgerichtet ist“, so die Naturschutzverbände, zusammengeschlossen in der Aktionsgruppe Lebendiger Kamp.

Die Aktionsgruppe fordert daher den niederösterreichischen Umweltlandesrat Stephan Pernkopf auf, sich für den Fluss und gegen die Zerstörung des Kamps auszusprechen: “Es braucht dringend ein umfassendes und ernsthaftes Programm zum Klimaschutz und zur Energiewende in Niederösterreich. Die letzten paar Kilometer an freien, unverbauten Fließstrecken für eine lächerliche Stromausbeute zu fluten bzw. auszubaggern kann doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein! Wir fordern das Land Niederösterreich als Mehrheitseigentümer der EVN und als Genehmigungsbehörde daher dringend auf, die Notbremse zu ziehen. Andernfalls wird es auf einen möglicherweise jahrelangen Konflikt im Kamptal hinauslaufen.“

Bei einer EVN-Informationsveranstaltung am Abend des 1.Dezember 2015 in Rosenburg wurden kritische Stimmen laut: Besucher kritisierten die Schönfärberei durch die EVN und zweifelten die Zahlenangaben der EVN zur Stromproduktions-Steigerung als nicht nachvollziehbar an. Das EVN-Variantenpapier sei lückenhaft und die Kritik der NGOs an den Mängeln der EVN-Untersuchung seien nicht eingearbeitet worden. Werner Gamerith von der Aktionsgruppe Lebendiger Kamp kündigt an: „Wir lassen uns das Kamptal nicht zerstören, irgendwo ist Schluss mit der Naturzerstörung!“

Echte Energiewende statt Naturzerstörung durch Neubau eiens energetisch unbedeutenden Mini-Kraftwerkes

Vor Klimakonferenz von Paris: Klima-Marsch in Wien

Das Bündnis „System Change, not Climate Change!“ drängt auf tatsächliche Lösungen für die Klimakrise anlässlich des UN-Klimagipfels (COP21)

Weltweit finden am Wochenende vor UN-Klimagipfel in Paris „Climate Marches“ und Aktionen statt. In Wien ruft das Bündnis „System Change, not Climate Change!“ am Sonntag, 29.11., zu einer Demonstration und einem darauf folgenden Straßenfest vor dem Parlament auf. Mehrere tausend DemonstrantInnen werden erwartet.

Um die Klimakrise in den Griff zu bekommen und für Klimagerechtigkeit zu sorgen, muß die Menschheit die Art und Weise, wie  gewirtschaftet und gelebt wird, grundsätzlich ändern.

Termin: Sonntag, 29.11.2015
Climate March ab 12:30 Uhr vom Sigmund-Freud Park zum Straßenfest ab 14:00 Uhr vor dem Parlament, um etwa 15 Uhr wird ein Pressefoto versendet: Foto von 23 Meter Höhe des von Hunderten von Menschen geformten Schriftzugs „System Change!“ vor dem Parlament.

Wir brauchen eine echte Energiewende und ernsthaften Klimaschutz in allen Politikfeldern und Lebensbereichen.

Die Aktionsgruppe Lebendiger Kamp unterstützt daher den Aufruf zum Klima-Marsch.

Bitte hinkommen und weitersagen!

Die Aktionsgruppe Lebendiger Kamp

150 Menschen kamen zum Lokalaugenschein beim Kraftwerk Rosenburg

150 Menschen bei Kamptalwanderung

Mehr als 150 Menschen folgten am Samstag dem 14.11.2015 der Einladung der Aktionsgruppe „Lebendiger Kamp“ gemeinsam mit dem Naturschutzbund NÖ und dem WWF zum Lokalaugenschein beim Kraftwerk Rosenburg – und informierten sich über die Auswirkungen des geplanten Kraftwerksneubaus. Sogar aus Tirol waren Mitglieder der WWF Jugendorganisation „Generation Earth“ angereist, um das Kamptal kennen zu lernen.

Der bekannte Kamp-Buchautor Werner Gamerith und der Naturschutzexperte Univ.Prof. Dr. Bernd Lötsch erläuterten die von der EVN bisher vorgelegten Pläne und strichen bervor, dass der geringe Zuwachs an Stromausbeute die Eingriffe auf bis zu über zwei Kikometer freier Fließstrecke keinesfalls rechtfertigen könne: Der Kamp ist hier als Landschaftsschutzgebiet und als Europaschutzgebiet gewidmet, was ökologische Verschlechterungen eigentlich ausschliessen sollte. Darüber hinaus haben zwei frühere Minister gemeinsam mit dem WWF diesen betroffenen Abschnitt auch als „Flussheiligtum“ klassifiziert. Die neuen Kraftwerkspläne sorgte daher bei den vielen BesucherInnen für Kopfschütteln.

Die VertreterInnen der Naturschutzorganisationen legten ihre Position klar: Es gibt keine fundamentalen Vorbehalte gegen eine Modernisierung der Turbinen und eine Bestandssanierung beim alten Kraftwerk, um einen höheren Wirkungsgrad zu erzielen. Eingriffe in die freie Fliessstrecke lehnen die Organisationen aber klar ab. Sollte eine Bestandssanierung ohne Eingriff in den Naturraum sich als nicht ausreichend rentabel für die EVN erweisen, wird ein Rückbau der Kraftwerksanlage empfohlen. Dies könnte im Rahmen einer breiten Natur-Partnerschaft zwischen dem Betreiber EVN naturkraft  und NGOs erfolgen. Damit würde es auch möglich sein, die Gesamtregion zu fördern.

Die NGOs sind derzeit mit der EVN in einem Diskussionprozess bezüglich möglicher Optionen für das Kamptal und werden bis zum 23.11. Stellungnahmen  zu den ersten Variantenuntersuchungen der EVN einbringen. Die NGOs hoffen, dass der (zu begrüssende) Dialog-Prozess mit der EVN  vom Projektwerber tatsächlich ernst genommen wird und dass eine tragbare Lösung für alle Seiten – vor allem für den Kamp – zur Umsetzung kommt.