NGOs befürchten düstere Zeiten für Naturschutz in Österreich

Neubau des Kamp-Kraftwerks Rosenburg wird Nagelprobe für Naturschutzpolitik – Kraftweksbau im Natura 2000 Gebiet darf nicht zum Präzedenzfall werden

Wien, 17. Oktober 2018. Die Umweltschutzorganisationen Naturschutzbund (NÖ), Forum Wissenschaft und Umwelt, Riverwatch und WWF reagierten heute mit großer Besorgnis auf die jüngsten Angriffe der Regierungsparteien auf die Umweltverträglichkeitsprüfung und die Parteistellung der NGOs in Umweltverfahren. Gemeinsam mit der Bürgerinitiative “Lebendiger Kamp“ warnten sie vor weiteren Verschlechterungen zulasten der heimatlichen Naturschätze. Aktueller Anlassfall ist die Umweltverträglichkeitsprüfung zum EVN-Projekt für einen Abriss und Neubau des Kraftwerks Rosenburg im Natura 2000-Schutzgebiet Kamptal. Für sie ist das Verfahren, in dem das Land Niederösterreich derzeit die Umweltverträglichkeit des Projektes prüft, eine „Nagelprobe“ ob Umweltschutzgesetze noch ernst genommen werden. Das Projekt sei keinesfalls genehmigungsfähig.

Die NGOs fordern Umweltlandesrat und Landeshauptfrau Stv. Stephan Pernkopf (NÖ) und Umweltministerin Elisabeth Köstinger bei einer Pressekonferenz heute, Mittwoch, auf, ihre Jobs als führende Naturschützer endlich wahrzunehmen, den Anschlag auf das wertvolle Naturgebiet im Kamptal abzuwenden und sich um die Umsetzung der gesetzlichen Naturschutzvorgaben zu kümmern. Laut den Plänen der EVN soll der bestehende Stausee vergrößert und der Kamp über eine Strecke von 1,5 Kilometer ausgebaggert werden. Das Stauziel soll erhöht, die Restwassermenge reduziert werden. Eine Fläche von mehr als acht Fußballfeldern an wertvollem Auwald und Flusslandschaft würden durch den Bau zerstört werden. Die Großbaustelle bringt massive Beeinträchtigungen für Ökologie und Erholung.

Margit Gross, Geschäftsführerin des Naturschutzbund NÖ, weist darauf hin, dass das Land Niederösterreich das mittlere Kamptal sowohl als Landschaftsschutzgebiet als auch als Europaschutzgebiet ausgewiesen hat und damit die Besonderheit dieser Landschaft und ihre herausragende ökologische Bedeutung bereits vor vielen Jahren erkannt hat. „Die EVN und ihre Gutachter behaupten nun, dass die massiven Eingriffe zur Errichtung eines neuen Kraftwerks keine erheblichen Beeinträchtigungen mit sich bringen werden.“ Der Kamp soll nach Errichtung der neuen Staumauer weit in eine wilde Schlucht hinein aufgestaut und unterhalb des Wehrs über eine Strecke von 1,5 Kilometer ausgebaggert werden. Sechs Hektar wertvoller Auwald- und Flusslandschaft würden durch den Bau unwiederbringlich zerstört werden. Dazu kommen die massiven Beeinträchtigungen für Ökologie und Erholungsnutzen durch die Großbaustelle. „Wir haben die zum Teil haarsträubenden Schlussfolgerungen der EVN Gutachter in Zusammenarbeit mit Experten aus dem universitären Bereich widerlegt. Nun liegt der Ball beim Land Niederösterreich. Eine Genehmigung für dieses Projekt würde auch einen bedenklichen Präzedenzfall für andere Schutzgebiete in ganz Österreich schaffen.“

„Es ist völlig absurd anzunehmen, dass der erweiterte Neubau des Kraftwerks Rosenburg keinen Schaden anrichten würde oder gar zu behaupten, es werde durch ein größeres Kraftwerk zu Verbesserungen an der Flussstrecke kommen“, erklärt Gerhard Egger, Leiter der Gewässerschutzabteilung des WWF Österreich. „Insgesamt ist geplant, dass ein Volumen von 37.000 m³ ausgehoben wird. Das entspricht dem Fassungsvermögen von mehr als zehn olympischen Schwimmbecken. Das ist ein dramatischer Eingriff in die Natur. Etwas Anderes zu behaupten ist schlichtweg absurd.“ Der Kamp leidet schon jetzt durch die intensive Wasserkraftnutzung: Es gibt 23 Anlagen, die den Fluss zerschneiden sowie Wasserführung und Temperaturverhältnisse verändern. „Der Kamp hat seine Schuldigkeit mehr als getan“, hält Gerhard Egger vom WWF fest. Der Fluss wurde von den Behörden vorauseilend als „stark verändert“ und damit nicht sanierbar eingestuft. „Die Politik hat den Kamp damit praktisch aufgegeben“, kritisiert Gerhard Egger. „Das widerspricht aus unserer Sicht klar dem Verbesserungsgebot der EU-Wasserrahmenrichtlinie, denn der Kamp hat gerade im Bereich Rosenburg großes Potential für Renaturierungen. „Wasserkraftbetreiber dürfen die Belastungsgrenzen unserer Flüsse und Umwelt nicht weiter überschreiten. Wir brauchen intakte Gewässer, auch um die Folgen des Klimawandels zu dämpfen. Dazu bedarf es einer auf Naturverträglichkeit abgestimmten Energiestrategie anstelle von undurchdachten, ineffizienten Einzelmaßnahmen,“ so Egger.

Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von Riverwatch, kritisiert die in Österreich verbreitete „Salamitaktik gegen die Natur“. „Die Betreiber reden die Umweltauswirkungen ihrer Projekte stets klein. So aber gehen unsere letzten freien Flüsse nach und nach verloren. Wie soll man jemanden etwa am Balkan erklären, dass er die Natur nicht zerstören soll, wenn wir selbst die allerletzten naturnahen Oasen zerstören?“ Eichelmann befürwortet eine umfassende Renaturierung des Kamps bis zur Donau, um seine Durchgängigkeit für Fische und andere Lebewesen wiederherzustellen. „Das Kraftwerk Rosenburg ist für die Stromproduktion und die Klimabilanz des Landes völlig unbedeutend, da gibt es bessere Alternativen. Statt mehr Kraftwerke brauchen wir mehr Natur, aus meiner Sicht sollte das alte Wehr geöffnet und der Kamp wieder frei fließen könnte.“

Clemens Feigel von der Bürgerinitiative Lebendiger Kamp wohnt im Kamptal und erinnert daran, dass das mittlere Kamptal bereits 1983 durch Proteste vor Staudammplänen bewahrt wurde: „Zwei Generationen später versucht es die EVN wieder.“ Feigel hebt hervor, dass ein wirtschaftlicher Betrieb des Kraftwerksneubaus, laut EVN-Angaben, nur durch Förderungen möglich ist, wobei die EVN alle Folgekosten und bereits manifesten Auswirkungen des Klimawandels im mittleren Waldviertel – wie Trockenheit und extrem geringe Wasserführung – einfach negiert.  Feigel kritisiert außerdem, dass die gleichen Gutachter sowohl für die EVN als auch für das NÖ-Regionalprogramm zum Gewässerschutz tätig waren. „Der Kamp wurde völlig willkürlich erst oberhalb der von der EVN begehrten Flussstrecke als schutzwürdig eingestuft. Das ist eine glatte Manipulation.“ Für ihn und viele Menschen im Kamptal sind die Kraftwerkspläne ein Anschlag auf das wichtigste heimatliche Erholungsgebiet. „Wir werden für das Kamptal kämpfen. Es darf nicht jeder Flecken Restnatur auch noch verbaut werden. Landesrat Pernkopf muss endlich seinen Job machen,“ so Clemens Feigel.

Der Anwalt Dr. Josef Unterweger wurde vom „Forum Umwelt und Wissenschaft“ mit der Kamp-Causa betraut. Er hat die EVN-Unterlagen penibel durchgearbeitet und kommt aufgrund unvollständiger und teilweise widersprüchlicher Aussagen zu einem verheerenden Urteil: „Das Projekt Rosenburg ist eines in einer Reihe von Vorhaben mit Relevanz für Natura 2000 Gebiete ohne energiewirtschaftlichen Nutzen, ohne ökonomische Sinnhaftigkeit und im krassen Gegensatz zu Naturschutzbestimmungen. Hier soll ein Kraftwerk durchgesetzt werden, das völlig sinnlos ist, bloß um zu zeigen, das Widerstand zwecklos ist, wenn es um Naturschutz geht.“ Unterweger skizzierte ein bedrückendes Bild von der Rechtslage im Bereich Naturschutz in Österreich: „In seinem Spruch zur 3. Piste hat der Verfassungsgerichtshof dem Bundesverwaltungsgericht de facto einen Maulkorb umgehängt und klargestellt: Klimaschutz – und ergo Naturschutz – ist nicht relevant. Und so agieren die Instanzen nun: Umweltschutz ist kein Thema mehr. Zu den Regierungsinitiativen rund um das geplante Standort-Entwicklungsgesetz mit Aushebelung der Umweltverträglichkeitsprüfung und unter Ausschluss einer großen Zahl an NGOs aus der Parteistellung erklärte er: „Diese Gesetzesvorschläge sind handwerklich schlecht, teilweise rechtswidrig und inhaltlich inakzeptabel. Wenn das Standort-Entwicklungsgesetzes schon in Kraft wäre, würden am Kamp bereits die Bagger auffahren, weil die EVN länger als ein Jahr gebraucht hat, alle Unterlagen an die Behörde in St. Pölten zu schicken.“

NGOs und Bürgerinitiative werden alle rechtlichen und zivilgesellschaftlichen Mittel ausschöpfen, um das mittlere Kamptal vor Schäden durch den Kraftwerksneubau zu bewahren. Sie fordern die Bundes- und Landespolitik eindringlich auf, rasch eine ökologische Kehrtwende einzuleiten und unsere Naturschätze nicht Investoreninteressen zu opfern.

Veranstaltungstipp: am 30.Oktober gibt die Tiroler Dialektgruppe Bluatschink eine Benefitskonzert für den lebendigen Kamp (Kunsthaus Horn, Beginn: 20 Uhr; Eintritt frei). Hier gibt es alle Infos bzw. Kartenreservierung!

Das Podium der Pressekonferenz mit (vlnr): Ulrich Eichelmann (Riverwatch), Clemens Feigel (Lebendiger Kamp), Margit Gross (Naturschutzbund), Gerhard Egger (WWF), Dr. Josef Unterweger (Forum Wissenschaft und Umwelt)

Bluatschink gibt Benefiz-Konzert „fia unsa Kamptal“ – 30. Oktober in Kunsthaus Horn

Der Bluatschink ist ein Fabelwesen, das angeblich in den Stromschnellen des wilden Lech in Tirol hausen soll. In Wahrheit wollte man damit wohl eher allzu unvorsichtige Kinder von den reißenden Fluten fernhalten Der Lebensraum des Bluatschink ist der grandiose Lech im Norden Tirolsder letzte große alpine Wildfluss Mitteleuropas.

Doch um Haar wäre das Flussjuwel durch Kraftwerke zerstört werden sollen. Heute sind die Lechtaler überwiegend heilfroh, dass sie ihren wilden Lech erhalten haben können: die edle Flusslandschaft  hat ihre Freiheit behalten und der 125 Kilometer lange Flusswanderweg „Lechweg“ lockt alljährlich viele Wanderer an diesen besonderen Fluss (und das bringt ja auch Geld in die Gegend).

Bluatschink ist auch der Künstlername einer Band um den Liedermacher Toni Knittel aus dem Lechtal.  Die Band formierte sich im Juni 1990 im Zusammenhang mit dem Schutz des wilden Lech: Toni Knittel und Peter Kaufmann präsentierten ihre ersten Songs im Lechtaler Dialekt anlässlich einer Tonbildschau des WWF Österreich über das Lechtal. Toni Knittel hatte  für diesen Abend extra einige Songs im Lechtaler Dialekt geschrieben.

Inzwischen ist der Lech unter Schutz gestellt – und Bluatschink eine bekannte Musik-Größe. Heute begeistert das Liedermacher Duo Toni und Margit Knittel  das Publikum mit einem einzigartigen Mix aus Pop Songs und alpenländischer Weltmusik.

Am 30. 2018 Oktober wird Buatschink im Kunsthaus Horn (Wiener Straße 2) ein Benefitskonzert „fia unsa Kamptal“ geben (Beginn: 20 Uhr, Eintritt: freie Spende). Denn: Lech und Kamp haben eines gemeinsam – unsere letzten natürlichen Flüsse brauchen ihre Freiheit!

Toni Knittel: „Wer einmal erlebt hat, dass sich Engagement auszahlt, dass man als bewegter Bürger etwas bewegen kann und dass man mit „Protest nach Noten“ sensible Naturlandschaften vor Eingriffen bewahren kann, der weiß, dass es in so einer Bewegung auf jedes noch so kleine Mosaiksteinchen ankommt! Und daher nehmen wir als „Bluatschink“ gerne die weite Anreise in Kauf und erzählen den Leuten am Kamp, wie das bei uns am Lech gelaufen ist – wo Dinge in Bewegung geraten sind, wo Menschen zum Umdenken gebracht wurden und Naturschätze für zukünftige Generationen bewahrt werden konnten.“

Stefan Glaser, von der Bürgerinintiative Lebendiger Kamp, freut sich über diese prominente Unterstützung gegen den Neubau des Kraftwerkes bei Rosenburg: „Der Auftritt von Bluatschink zeigt, dass unser Kampf gegen das unsinnige Bauprojekt von überregionaler Bedeutung ist: Die letzten Wildnisgebiete unserer Flüsse weiter zu verbauen ist ein Angriff von Konzerninteressen auf unser Naturerbe!“

Weil das Platzangebot nicht unbegrenzt ist, solltet ihr euch rechtzeitig eine (Gratis-) Eintrittskarte sichern: KARTENRESVERIERUNG HIER!
(Eure Spenden beim Konzert oder auf unser Spendenkonto freuen uns und helfen uns massiv weiter…)

Und: unten findet sich auch ein Plakat, das ihr verwenden könnt, um eure Freunde, Nachbarn usw. auf das Bluatschink-Konzert aufmerksam zu machen.  Das JPG-File könnt ihr mit rechter Maustaste runterladen – und ausdrucken, auf Social Media posten oder per Mail weitersenden…
Bitte unbedingt weitersagen!

 

Falter-Journalistin Doris Knecht über das beglückende Kamptal – und das Kraftwerk Rosenburg…

Die Falter-Journalistin und Buchautorin Doris Knecht kennt und liebt das Kamptal. In einer  Kolummne (Ausgabe 38/18) meint sie: „Es ist so schön dort, man möchte vor Glück platzen.“ Daher findet sie die EVN-Pläne für den Neubau des Kraftwerks Rosenburg nicht so gut…

„Ich habe dann gehört, dass das Hotel-Licht-Problem schon viele Leute überall auf der Welt hatten. Weil ich letztes Mal hier darüber geschrieben habe, dass ich in einem Hotel die Lichtschalter nicht fand. Offensichtlich ist es in der Hotellerie üblich geworden, die Nächte der Gäste mit lustig versteckten Schaltern indirekter Beleuchtungsquellen zu verlängern. Jemand erzählte mir von einem Hotelzimmer mit 53 Lichtquellen: Horrorhaus! Wenn man mich ködern will, dann mit dem Versprechen, dass es nur ein Hauptlicht, ein WC-Licht und ein Nachttischlicht gibt. Man muss ja nicht gleich so weit gehen, dass man nachts den Strom in den Gästezimmern komplett ausschaltet, auch den in den Steckdosen. Gibt’s auch. Besser als 53 Lampen.

Weil, apropos Strom: Die EVN will in Niederösterreich, bei der Rosenburg im Kamptal, mitten im Europaschutzgebiet, ein neues Kraftwerk in den Kamp bauen: Ein ganzer Kilometer lebendiger, unberührter Flusslandschaft, in der zahllose Vogelarten brüten, soll eineinhalb Meter tief ausgebaggert und verbreitert werden. Insgesamt sollen für ein Minikraftwerk im alten Krafthaus fast fünf Hektar Wald gerodet und die Staumauer um mehr als eineinhalb Meter erhöht werden. Damit dort Lastwagen und Bagger die Flusslandschaft zerstören können, soll eine neue, Lkw-taugliche Betonbrücke gebaut werde, um die Tonnen von Aushub aus dem Kamp abtransportieren zu können. Der Zweck der Zerstörung dieses Natura-2000-geschützten Teils des Kamptales, einer unberührten Aulandschaft: ein Minikraftwerk für die Stromversorgung von nur 1200 zusätzlichen Haushalten.
Ich kenne diese Kamp-Landschaft; ich bin dort gewandert, habe Schwammerln gesucht und bin mit dem Kajak gefahren. Es ist so schön dort, man möchte vor Glück platzen. Paradies Hilfsausdruck. Dass man diese Natur dort, dieses Flussjuwel für eine derart minimale Stromausbeute zerstören möchte: Es ist, als stolperte man in ein Zeitloch, als würde man in die 80er-Jahre zurückgeworfen. Man kann, wie so oft derzeit, nicht glauben, dass man gegen so was immer noch protestieren und demonstrieren muss: Haben wir das nicht schon alles besprochen? Haben wir überhaupt nichts gelernt? Gab es nicht längst einen Konsens über das alles? Zum Beispiel, dass wir zur Stromgewinnung keine geschützten Au-und andere Flusslandschaften mehr zerstören, alte Bäume und Waldteile roden, die ökologischen Grundlagen eines Flusses ruinieren, Wildtiere vertreiben, die Brutplätze von Vögeln kaputtbaggern wollen?

Es geht beim Rosenburg-Kraftwerk- Konflikt nicht um ein kleines lokales Kraftwerk: Es geht, wie schon in Hainburg, wie jetzt auch beim Hambacher Forst, um eine grundsätzliche Entscheidung, wie wir mit unserem Lebensraum umgehen, unserer Natur, den letzten Orten, an denen sie noch unberührt ist. Oder was wir noch alles zerstören wollen, oder ob wir nicht vielleicht doch lieber intensiver in erneuerbare Energien, besonders Fotovoltaik, investieren sollten. www.lebendiger-kamp.at, wen’s interessiert.“
(Quelle: Falter  38/18)

Die Diskussion zu diesem Thema im Falter geht weiter. Hier könnt ihr den Falter abbonieren – und weiterlesen bzw. mitdiskutieren!  

Stimme für den lebendigen Kamp: Conrad Amber

„Stimme der Bäume“ und Buchautor Conrad Amber unterstützt das lebendige Kamptal …

„Dass ein naturnaher Flußwaldbereich geschützt und erhalten bleiben muß, ist jedem verantwortlich denkenden und naturschätzenden Menschen logisch und klar. Den anders denkenden und agierenden Menschen bleibt diese Wahrheit verborgen, sie werden weder durch emotionale Argumente noch durch natursensible Themen geweckt.

Deshalb möchte ich hier – als Baumfreund, Naturdenker und Autor – und vor allem als über 35 Jahre selbständiger Unternehmer und Wirtschaftstreibender, einige Zahlen vorlegen, um den Zahlenmenschen bewusst zu machen, um was es hier geht.

Der Wert eines Baumes (anhand einer 100jährigen Buche): treibt jährlich 600.000 Blätter und macht damit Photosynthese. Sie erzeugt 4,5 Tonnen Sauerstoff (Atemluft für 15 ! erwachsene Menschen) und nimmt aus der Luft 6 Tonnen CO2 auf. Und sie filtert etwa 1 Tonne Schadstoffe und Feinstaub aus der Luft! Jährlich, kostenlos und ohne Pflege. Und wenn Mensch sie lässt, macht sie das 200 Jahre lang. Ein Kraftwerk. Ein Energiewerk, das an einem Sommertag bis zu 400 Liter Wasser in die Krone pumpt und verdunstet, die Umgebung um 3-4°C herab kühlt.

Wenn dieser einzige Baum gefällt wird, müssten – um seine Wirkung für uns und die Umwelt zu ersetzen -2000 Jungbäume mit einem Kronenvolumen mit 1,5m3 gepflanzt werden. Kostenpunkt: wenigstens 150.000 Euro! Oder: wir machen 1-5 Ersatzpflanzungen und warten wieder 80 Jahre!

Der Bodenaufbau eines Waldes (und nur dieser erzeugt Erde, also auch für das Kulturland) geht –statistisch gesehen – sehr langsam: 1 cm in 100 Jahren. Also , ein ein Meter tiefer Boden ist meist 10.000 Jahre alt. Es dauert auch wieder so lange, um diesen zu ersetzen!

Ein Auwald in dieser Vielfalt und Qualität und mit Bäumen in diesem Alter, ist ein Gesamtorganismus. Er besteht nicht nur – entgegen der analytischen Betrachtung Unwissender – aus Bäumen, anderen Pflanzen und Tieren. Es ist eine sehr komplexe, hochsensible Welt mit tausendfachen Verbindungen, Abstimmungen und ausgeglichenen Lebensformen. Alleine die Bodenlebewesen, wie Micro-Organismen, Pilze und Flechten sind eine eigene Lebenswelt und garantieren für eine Naturverjüngung und die entsprechende Balance zwischen Nützlingen und schadenden Lebensformen. Im übrigen auch für die gesamte Umgebung, vor allem für die Landwirtschaft und natürlich für die Gesundheit der hier lebenden Bevölkerung. Durch die hier lebenden Nützlinge wie Insekten und Vogelarten werden weithin Schadinsekten und Pilze dauerhaft bekämpft.

Der Wert eines solchen Naturjuwels ist weder mit Geld aufzuwiegen, noch mit Zeit. Während das erste in Fülle vorhanden ist, nur oft in die falschen Kanälen fliesst und sinnfrei und kurzsichtig verbraucht wird, ist für uns Menschen die Zeit wohl das wichtigste Gut. Was nützen den Unternehmen und den Menschen ihre Millionen, wenn sie die nächsten 10 Jahre nicht mehr überleben. Und dazu gehört die Haltung der Verantwortung. Denn nur wir sind es, die verantwortlich sind, wie wir unsere Umgebung unseren Kindern und Enkeln übergeben. Nicht die Generation vor uns. Und Sie können mir glauben, die nachfolgenden Generationen sind über keinen einzigen Euro erfreut, den wir ihnen schenken. Sondern sie wollen in einer möglichst intakten und gesunden Welt leben können, so wie wir es tun. Alles andere ist Egoismus und Arroganz.

Ich wünsche mir und den Verantwortlichen, dass Vernunft, Einsicht und Verantwortung wichtiger ist, als banaler Geldsegen.“

Conrad Amber („Die Stimme der Bäume“; Autor, Berater, Fotograf, Naturdenker)

WWF, Naturschutzbund NÖ und Riverwatch stellen klar: EVN verbreitet „alternative Fakten“ über angebliche NGO-Einbindung in Variantenprüfung

Umweltschutzorganisationen sind gegen den geplanten Ausbau des Kraftwerks Rosenburg

Für Empörung bei allen wichtigen Umweltschutzorganisationen sorgt eine Veröffentlichung der EVN in Niederösterreich. Im EVN-Journal III 2018 (September) wird der Eindruck erweckt, dass das vom landeseigenen Energiekonzern EVN vorangetriebene Projekt eines kompletten Neubaus des Kampkraftwerks Rosenburg – im Natura 2000 Gebiet „Kamp und Kremstal“ – unter Beteiligung der Naturschutzorganisationen zustanden gekommen sei. In dem Heft steht zu lesen: „Das eingereichte Projekt ist das Ergebnis einer umfangreichen Variantenstudie, in die alle wichtigen Natur- und Umweltschutzorganisationen eingebunden waren.“ Diese Behauptung löst bei den betroffenen NGOs nun großen Ärger aus. Naturschutzbund, Riverwatch und WWF bezeichnen die EVN Aussage als offensichtlichen Versuch, mit „alternativen Fakten“ die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Tatsache ist vielmehr, dass die NGOs die von der EVN im November 2015 vorgelegten Neubauvarianten einhellig ablehnten. Die umfangreichen NGO-Stellungnahmen wurden bloß als Anhang eines inhaltlich davon völlig unbeeinflussten EVN-Variantenpapiers beigefügt. Inhaltlich wich die EVN in diesem Variantenpapier von der Linie früherer Papiere keinen Millimeter ab. Offenbar soll mit dieser irreführenden Behauptung der Eindruck vermitteln werden, dass sogar die Naturschützer für das umstrittene Kraftwerksprojekt eintreten.

Hier die Fakten: Im November 2015 legte die EVN ein Variantenpapier zum Kraftwerk Rosenburg vor und forderte eine Reihe von NGOs auf, Stellungnahmen zu den verschiedenen Kraftwerksvarianten vorzulegen. Zur Diskussion standen drei Varianten:

  • eine Bestandssanierung: Technik-Erneuerung ohne Kraftwerksneubau;
  • eine sogenannte „ökonomisch optimierte Variante -eine unrealistische „Schreckvariante“, die selbst nach informellen EVN-Aussagen niemals genehmigungsfähig war, weil zu groß;
  • und eine sogenannte „ökologisch optimierte Variante“: sozusagen der bereits mitgelieferte „Schein-Kompromiss“.

Die „beteiligten“ NGOs Naturschutzbund, Riverwatch und WWF fordern die EVN nunmehr auf, die irreführenden Aussagen umgehend mit folgender Formulierung richtig zu stellen: „Das eingereichte Projekt ist das Ergebnis einer Variantenstudie, für die die Stellungnahmen alle wichtigen Natur- und Umweltschutzorganisationen eingeholt, aber in keiner Weise berücksichtigt wurden. Die NGOs lehnten den Neubau des Kraftwerks Rosenburg im Natura 2000 Gebiet Kamp- und Kremstal strikt ab.“

Naturschutzbund, Riverwatch und WWF rufen den EVN-Eigentümer Land Niederösterreich auf, die Planungen für einen Neubau des Kraftwerks Rosenburg im Europaschutzgebiet Kamptal einzustellen und stattdessen eine umfassende Klimaschutzoffensive zu starten – inklusive wirksamer Maßnahmen zur Energieeinsparung und des längst überfälligen Ausbaus der Solarenergie-Nutzung.

Naturschutzbund NÖ, Kajak Club Gars, Riverwatch, Umweltforum österreichischer Wissenschaftler und WWF übermittelten umfangreiche und kritische Stellungnahmen und lehnten die von der EVN favorisierten Neubauvarianten unisono ab. Kritische Reaktionen gab es außerdem von Birdlife und dem Umweltdachverband. Hier können alle Papiere nachgelesen werden.

ORF-Bürgeranwalt zum Kraftwerkskonflikt im Kamptal

Der ORF hat in der „Bürgeranwalt“-Sendung am Samstag, den 15. September 2018, (17:30-18:15, ORF 2) über den Konflikt um das EVN-Projekt eines vergrößerten Neubaus des alten Kamp-Kraftwerks bei Rosenburg berichtet.
Die Sendung ist 7 Tage in der ORF TV-Thek nachsehbar.

Ein ORF-Team hat dafür beim „Flasmob im Kamp“ am 29. August gedreht und mit Vertreterinnen und Vertretern der Bürgerinitiative sowie mit besorgten Bürgerinnen und Bürgern gesprochen. EVN-Vertreter wurden natürlich auch befragt.
Zusätzlich wird es eine Studio-Konfrontation zwischen Bürgerinitiative und EVN geben.
Es wird also spannend…

Die Sendung trägt dazu bei, dass mehr Menschen in ganz Österreich über das umstrittene EVN-Vorhaben erfahren. Im Kamptal geht es nämlich nicht nur um einen lokalen Konflikt um ein Kleinkraftwerk. Denn: das Kamptal steht unter Natura 2000-Schutz, was eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes von geschützten Arten und Lebensraumtypen verbietet bzw. Verbesserungen vorschreibt. Auch die EU-Wasserrahmenrichtlinie untersagt Verschlechterungen für Fliessgewässer. Der geplante (vergrößerte) Neubau der Staumauer und die beabsichtigte Flussausbaggerung (auf 1,5 Kilometer Länge!) wird aber zu ökologischen Verschlechterungen führen. Sollten im Kamtpal tatsächlich die Bagger auffahren, dann würde das unweigerlich vollendete Tatsachen für ganz Österreich schaffen und  umweltschädigende Projekte auch in anderen Natura-Gebieten leichter duchsetzbar machen…

Daher: Bitte unbedingt ansehen und weitersagen! Es sollten möglichst viele Menschen über das fragwürdige EVN-Projekt eines neuen Minikraftweks in einem Schutzgebiet (mit schwerwiegenden Folgen für Natur und Landschaft) erfahren!

Die Vertreter der Bürgerinitiative für einen lebendigen Kamp – Clemens Feigl (l) und Stefan Glaser (r) – bei Peter Resetarits (m).

Kamp-Flashmob: Hände weg vom Kamp

Am 29. August 2018 trafen sich mehr als 100 Menschen aus der Region im Kamptal bei Rosenburg, um ihr Natur- und Erholungsgebiet vor einem geplanten Kraftwerksneubau zu bewahren.

Das mittlere Kamptal ist als Natura 2000 Gebiet der EU ausgewiesen und steht daher unter gesetzlichem Schutz. Verschlechterungen hinsichltich ökologischer Schutzziele sind ergo verboten. Die geplante Flussausbaggerung um bis zum 1,5 Meter auf einer Länge von einem Kilometer, die neue und höhere Staumauer samt vergrößertem Stausee in der wilden Kamptschlucht bedingen  deutliche ökologische Beeinträchtigungen. Das Kamptal ist außerdem als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Der Kraftwerksneubau und die damit verbundene Großbaustelle werden das Landschaftsbild aber vermutlich nicht gerade verbessern.

Laut EVN soll das aber alles „unerheblich“ sein. Die EVN behauptet obendrein dreist, das Mini-Kraftwerk (mit dem großen Naturzerstörungspotenzial) sei eine Massnahme für den Klimaschutz. Gleichzeitig will der EVN-Mehrheitseigentümer, das Land NÖ, eine Waldviertelautobahn errichten. Die würde die CO2-Emissionen in einem enormen Ausmaß erhöhen. Und: auf kaum einem vielen Einkaufszentren-Dächer in NÖ wird  Sonnenstrom erzeugt. Also: wie ist das mit dem Klimaschutz in NÖ?

Viele Bürgerinnen und Bürger aus dem Kamptal lehnen die geplanten Eingriffe ab -und engagieren sich für ihr Natur- und Erholungsparadies…
Hunderte Menschen aus den Kamptal-Gemeinden haben im Mai 2018 einen Einspruch gegen die Umweltverträglichkeitserklärung der EVN unterschrieben und als „Bürgerinitiative“ Parteienstellung im Verfahren erlangt.

Am 29. August trafen sich mehr als 100 Menschen, um für ihr Kamptal buchstäblich ins Wasser zu gehen: Es fand der erste „Fluss-Flashmob“ im (kühlenden) Wasser des Kamp. Ein ORF Team (Bürgeranwalt) war mit dabei. Genau an der Stelle des „Splashmobs“ will die EVN den völlig naturbelassenen Kamp um 1,5 Meter tief ausgebaggern – um mehr Fallhöhe für die Stromerzeugung zu erzielen (sprich: um mehr Rendite zu machen…).

Das Kamptal oberhalb von Rosenburg ist eines der letzten, naturnahen Flusstäler in NÖ. Es darf nicht umgebraben und in einem erweiterten Stauraum versinken!

Die Menschen im Kamptal wollen ihr Natur- und Erholungsparadies bewahren.
Kamp-Flashmob: Hände weg vom einmaligen Naturfluss!

 

WWF-Flussreport: Massive globale Schäden durch wirtschaftlichen Scheuklappenblick

Flüsse sind mehr als nur Energie- und Wasserlieferanten – WWF fordert Neubewertung von Flusssystemen unter Rücksichtnahme ökologischer und sozialer Funktionen – Auch Österreichs Gewässerschutz braucht ganzheitliche Betrachtung.

Gesunde Flüsse sind Lebensraum sowie direkte Lebensgrundlage für Milliarden Menschen. Zudem mildern sie die negativen Auswirkungen des Klimawandels ab. Die rücksichtslose Übernutzung von Flüssen hingegen trägt zum Verschwinden ganzer Regionen bei. Der Bericht „Valuing Rivers“, den der Umweltverband WWF zur dieswöchigen Weltwasserwoche im Stockholm veröffentlicht hat, warnt vor der einseitigen Bewertung von Flüssen als reine Energie- oder Wasserlieferanten und verweist auf die vielfältigen Aufgaben, die Flüsse für Mensch und Natur übernehmen. Auch in Österreich zeigt sich die Wichtigkeit von gesunden Flüssen und deren nachhaltiger Nutzung.
„Flüsse sind unsere Lebensadern. Ohne gesunde Flüsse hätten sich keine Zivilisationen entwickeln können. Es ist eine Ironie der Menschheitsgeschichte, dass es gerade die hohen zivilisatorischen Ansprüche sind, die unsere Lebensadern am stärksten gefährden – sei es in der Energiegewinnung, im Industriesektor oder in der Landwirtschaft“, so WWF-Flussexperte Gebhard Tschavoll. „Wir müssen die Art und Weise, wie wir unsere Flüsse bewerten und bewirtschaften, dringend ändern – sonst drohen katastrophale Folgen für Mensch und Natur.“

Der neue WWF-Bericht „Valuing Rivers“ liefert eine umfassende Darstellung der globalen Flussfunktionen. Demnach sind weltweit zwei Milliarden Menschen für ihr Trinkwasser direkt auf Flüsse angewiesen. Ein Viertel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion hängt von der Bewässerung durch Flüsse ab. Jedes Jahr werden mindestens zwölf Millionen Tonnen Süßwasserfische gefangen, die Millionen von Menschen Nahrung und Lebensunterhalt sichern. Eine halbe Milliarde Menschen leben in Fluss-Deltas, darunter die Bewohnerinnen und Bewohner von Megametropolen wie Shanghai, Kalkutta und Ho Chi Minh City. Ohne die stetige Versorgung mit Sedimenten drohen Flussdeltas im Meer zu versinken. Werden die Zubringerflüsse durch Dämme im Oberlauf verbaut, können sie das benötigte Material nicht in den Unterlauf transportieren. Das Resultat: Erosion und Landverlust im jeweiligen Delta.

Vernetzte Funktionen der Donau

„Auch in Österreich brauchen wir einen ganzheitlichen Blick auf die unterschiedlichen Flussfunktionen“, fordert WWF-Flussexperte Gebhard Tschavoll. „Was am Oberlauf von Flüssen passiert, hat Auswirkungen auf den Unterlauf. Bestes Beispiel ist die Donau: mit 18 Ländern Einzugsgebiet, der internationalste Fluss der Welt. Entsprechend vielfältig sind die Nutzungsinteressen.“ Während die energiewirtschaftliche Nutzung der Donau hoch ist, so spielt sie als Nahrungsquelle – besonders für Staaten am Oberlauf – kaum mehr eine Rolle. Etliche Kraftwerke nutzen den Fluss als Stromlieferant, stellen jedoch neben anderen Faktoren wie Verschmutzung und Überfischung für die Fischbestände eine große Belastung dar. Durch die vielen Staumauern werden auch Sand und Sedimente aufgehalten, was zur Verstärkung der Erosionskräfte im Unterlauf und vor allem im Donaudelta führt. Dem entgegen arbeitet der WWF seit Jahren mit seinem Programm zum Schutz des Donaustörs, aber auch mit Projekten zur Renaturierung degradierter landwirtschaftlicher Flächen im Delta.

Ein weiteres Problem an der starken Flussverbauung ist das gestiegene Gefahrenpotenzial im Hochwasserfall. In Österreich leben mehr als 3,7 Millionen Menschen in unmittelbarer Nähe von Flüssen. Durch Begradigungen wurde den Flüssen viel Platz weggenommen, was bei Hochwassern zu einer extremen Beschleunigung der Wassermassen führt. Während eine Hochwasserwelle an der Donau 1954 von Passau bis Hainburg noch 115 Stunden brauchte, so waren es beim Katastrophenhochwasser 2013 nur mehr 65 Stunden. Intakte Flusssysteme mit Überschwemmungsflächen in natürlichen Auen und Seitenarmen mindern das Hochwasserrisiko. Der WWF identifiziert in seinem Flussentwicklungsplan insgesamt 40 Flussstrecken in ganz Österreich, wo ökologischer Hochwasserschutz und die Wiederherstellung heimischer Flusslandschaften Hand in Hand gehen. Moderate Flussaufweitungen reduzieren die Erosionskraft der Flüsse. Zugleich entsteht neuer Lebensraum für selten gewordene Arten, wie Flussuferläufer, Ufertamariske oder Äsche.

Auf europäischer Ebene sind die Schutzstandards in der EU-Wasserrahmenrichtlinie verankert. Diese Grundlage des Gewässerschutzes gilt weltweit als Positiv-Beispiel für die langfristige Sicherung der Wasserressourcen. Die effektive Umsetzung der Richtlinie ist jedoch mangelhaft: Nach einer Untersuchung der EU-Umweltagentur aus dem Juli 2018 befinden sich nur mehr zirka 15  Prozent von Österreichs Flüssen in einem „sehr guten ökologischen“ Zustand. Der WWF fordert daher einerseits eine effektive Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie andererseits eine umfassende Neubewertung von Flüssen unter Mitberücksichtigung aller ökologischen und sozialen Flussunktionen – und nicht nur des Energiepotenzials.

Report-Download: hier klicken

 

KAMP-SPLASHMOB! 29. August, Rosenburg…

Am 29.8. treffen sich Bürgerinnen und Bürger in Rosenburg zum ersten KAMP-SPLASHMOB.
Dabei handelt es sich um einen Flashmob, aber im Wasser.

Treffpunkt: 9:30, bei der Rauschermühle (Zinnermühle), gegenüber Kraftwerk Rosenburg.

Wir werden mit unserem Kamp in direkten Kontakt treten. Also wird es nass.
Daher: Badesachen mitnehmen!

Bitte weitersagen und hinkommen!
(PS.: Es werden auch Medien erwartet…)

WWF: Tausende nicht mehr gebrauchte Dämme drücken Gewässerqualität in ganz Europa

Eine Studie von Dam Removal Europe sieht alleine durch die Entsorgung von baulichen Altlasten großes Potenzial, um die Gewässerqualität in Europa zu verbessern und zugleich neuen Lebensraum für Natur und Mensch sicherzustellen. Sanierungsmaßnahmen dieser Art sind überfällig. Laut EU-Umweltagentur sind 60 Prozent der europäischen Gewässer in keinem guten Zustand. Der Umweltverband WWF sieht auch in Österreich etliche Flussstrecken, die unnötig hoher Belastung ausgesetzt sind, und fordert den Rückbau unrentabler und stillgelegter Wasserkraftwerke.

Ein konkretes Beispiel ist der Kamp in Niederösterreich. Durch Rückbau des ausgedienten Kraftwerks in Rosenburg könnten mehrere Kilometer Kampfluss wieder als Naturlebensraum zurückgewonnen werden. Stattdessen gerät der Kamp durch den geplanten Ausbau durch die EVN weiter unter Druck. „Für die Gesamtenergieversorgung Österreichs spielen so kleine Anlagen wie am Kamp kaum eine Rolle. Die Naturzerstörung ist hingegen immens“, warnt Gerhard Egger, Flussexperte des WWF. Schon jetzt sind im geschützten Kamp-Unterlauf mehr als 60 Prozent der Flussstrecke gestaut oder ausgeleitet. Eine zusätzliche und vor allem unnötige Belastung ist laut WWF unbedingt zu vermeiden. Vielmehr könnte ein Rückbau der Altanlage bei Rosenburg den Kamp wieder zu einem Naturfluss aufwerten. „Davon profitieren Fauna und Flora, aber auch die Tourismusregion“, erklärt WWF-Flussexperte Gerhard Egger. „Der Benefit durch eine derartige Flusssanierung könnte wesentlich höher ausfallen, als durch die vergleichsweise geringe wirtschaftliche Ausbeute eines neuen Kraftwerks.“

In Österreich ist die Flussbelastung durch Verbauung insgesamt sehr hoch. Von den 5.200 Wasserkraftwerken des Landes schöpfen bei Weitem nicht alle ihr Effizienzmaximum aus. Manche sind gar nicht mehr in Verwendung und stellen trotzdem eine Barriere dar. Laut Erhebungen des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus haben 70 Prozent der Anlagen keine funktionierende Fischaufstiegshilfe. Österreichweit versperren unglaubliche 30.000 Querbauwerke lebensnotwendigen Raum für Gewässerorganismen. „Angesichts des enormen Verlustes an natürlichem Gewässerraum, muss bei allen unproduktiven Querbauwerken die Frage gestellt werden, ob ein Rückbau nicht besser als die Erhaltung wäre“, erklärt Gerhard Egger. Modellfälle zeigen, dass sich die Gewässerfauna durch Renaturierungen sehr rasch regenerieren kann.

Die Beseitigung nicht mehr gebrauchter Barrieren kommt den EU-Mitgliedsländern auch bei der Erfüllung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zugute. Darin verpflichten sich die Europäischen Staaten, ihre Gewässer bis 2027 in einen guten Zustand zu bringen. Aktuell trifft dies in der EU, wie auch in Österreich, nur auf 40 Prozent aller Gewässer zu. Der Handlungsbedarf ist somit groß. Dennoch droht eine Abschwächung der EU-weiten Standards im Gewässerschutz für Flüsse, Seen und Grundwasser. Aktuell wird die Wasserrahmenrichtlinie durch die EU-Kommission in Form eines Fitness-Checks überprüft. UmweltschützerInnen in ganz Europa plädieren für die unveränderte Beibehaltung dieses wichtigen Instruments. Statt einer Abschwächung braucht es ernstzunehmende Ambitionen für die Umsetzung der Ziele, damit Wasser als eine der wichtigsten Ressourcen langfristig für alle Menschen in Europa gesichert bleibt.

Über Dam Removal Europe
Dam Removal Europe (DRE) ist ein Zusammenschluss von fünf Organisationen: WWF, World Fish Migration Foundation, European Rivers Network, The Rivers Trust and Rewilding Europe. DRE strebt einen breiten Schulterschluss an zwischen Menschen, Organisationen und Regierungen mit dem Ziel, Flüssen mehr Platz zu geben. Bewerkstelligt werden soll dies durch die Entfernung obsolet gewordener Dämme und Barrieren an Europas Flüssen. Die Studie von Dam Removal Europe (DRE) schätzt, dass alleine in Frankreich, Spanien, Polen und Großbritannien bis zu 30.000 vorwiegende kleinere Dämme überflüssig sind.

DRE-Studie 2018: „Dam Removal: A viable solution for the future of our European Rivers