Danke Wasserkraft?

Der weitere Ausbau der Wasserkraft in Österreich ist wirtschaftlich höchst zweifelhaft, sagt eine WWF-Studie

Wasserkraftprojekte wie das Murkraftwerk in Graz-Puntigam und der geplante Neubau des Kraftwerks in Rosenburg in Niederösterreich sind in einem hohen Ausmaß unwirtschaftlich. Das rechnet eine Studie vor, die vom Energieberater e3 im Auftrag ders WWF erstellt wurde. Dazu hier ein aktueller Artikel im Trend.

Die EVN hat bis dato betont, am Neubau des Kraftwerks Rosenburg festzuhalten. Alle wichtigen Naturschutzverbände bewerten die Ausbaupläne an diesem besonderen Standort aber als äußerst bedenklich – das Kamptal sei hier ein außergewöhnlich wertvoller Naturschatz, Ausbaggerungen und Stauzielerhöhung  wären damit nicht vereinbar.

Der Bau des unwirtschaftlichen Murkraftwerks spaltet derweilen die Bevölkerung in Graz und sorgt für andauernde Konflikte. Bleibt zu hoffen, dass die (neue) Landesregierung in Niederösterreich im Fall Rosenburg weiser agiert und für einen sinnvollen und fairen Ausgleich zwischen Energiewirtschafts- und Naturschutzinteressen sorgt.

Kraftproben á la Murkraftwerk Graz nutzen letztlich niemandem.

Welchen Sinn würde es ergeben, wenn der Konflikt um den wirtschaftlich nicht darstellbaren Kraftwerksneubau in Rosenburg (in einem Nationalpark-würdigen Naturjuwel) ausgerechnet im aufkommenden NÖ-Landtagswahlkampf eskaliert?

Foto-Hommage an das Kamptal: “Das Leben ist ein freier Fluss”

Dreißig FotografInnen präsentieren Fotoarbeiten in der ‘Eremitage am Kamp’; Sonderpräsentation Michael Goldgruber; Ausstellungsdauer: 4.März – 2.April 2017

Mehr als 50 FotografInnen aus Nieder-, Oberösterreich und Wien beteiligten sich am Fotowettbewerb „Das Leben ist ein freier Fluss (2). Nach 3000 Online-Votes und der Bewertung der Bilder durch eine Fachjury stehen nun 40 Siegerarbeiten fest. Zwischen 4. März und 2. April 2017 werden die Fotografien im Kunstraum “Eremitage am Kamp” öffentlich ausgestellt. Die Arbeiten zeigen nicht nur die Schönheit und den Zauber des hier noch frei fließenden Kamps in einem teilweise wildnisartigen Flusstal, sondern auch die Verbundenheit vieler mit dieser einzigartigen Naturlandschaft.
Die 14-jährige Rosa Knecht ist die jüngste Teilnehmerin. Die Schülerin der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt lebt seit fast zehn Jahren mit ihrer Mutter, der Schriftstellerin und Kolumnistin Doris Knecht, im Kamptal und macht mit ihrem berührenden Beitrag „Ein bisschen Leben“ auf das Besondere des Unauffälligen aufmerksam.
Zusätzlich gestaltet Michael Goldgruber in der Eremitage am Kamp einen eigenen Raum mit einer Foto- und Videoinstallation. Der Künstler vertrat Österreich erfolgreich mit seinem Kunstbeitrag „Kicking the Horizon“ bei der Fußball-EM 2016 in Paris und setzt sich in seinem Werk intensiv mit dem „Konsumgut Natur“ auseinander.

Durch Kraftwerkspläne bedrohtes Naturparadies
Die Kunstaktion, die vom Galeriebetreiber und Mitinitiator der Aktionsgruppe “Lebendiger Kamp” Clemens Feigel organisiert worden war, will auch auf die Schutzbedürftigkeit des mittleren Kamptales hinweisen. Die EVN-Naturkraft beabsichtigt, das historische Kraftwerk bei Rosenburg abzureißen und durch eine größere Anlage zu ersetzen. Dieses Vorhaben würde durch einen vergrößerten Stausee und die Ausbaggerung des Kamps auf 1,5 Kilometer Länge eine schwere Beeinträchtigung des Naturraums bedeuten. Das Gebiet ist als Natura 2000-Gebiet geschützt. In den 80-Jahren war hier sogar die Errichtung eines Nationalparks im Gespräch.

Engagierter Kunstraum: “Eremitage am Kamp”
Die Eremitage am Kamp liegt im idyllischem Wegscheid am Beginn eines unverbauten und teilweise sehr ursprünglichen Abschnitt des Kamptals. Die “Kraftorte” des Waldviertels wurden schon oft gepriesen; der 2014 gegründet Kunstraum ist zählt sicher auch dazu.
Frei von öffentlichen Mitteln, ermöglicht der Steuer- und Sozialrechtsexperte Clemens Feigel (Anerkennungspreis Maecenas NÖ 2016) Ausstellungen, die neben dem künstlerischen auch gesellschaftspolitischen Inhalt vermitteln: „Kunst reflektiert die Umwelt und kann auch manchmal weh tun.“ Reflektiert wurde das Bauvorhaben der EVN bereits vor einem Jahr.
Viele namhafte und ortsverbundene KünstlerInnen (u.a. Iris Andraschek, Sonia Gansterer, Gudrun Kampl, Franziska Maderthaner, Alois Mosbacher, Daniel Spoerri) bezogen mit ihren Werken im Rahmen der Ausstellung “Das Leben ist ein freier Fluss” (1) in der Galerie Stellung für die Erhaltung der Natur.
„Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Mündigkeit und Verantwortung jedes einzelnen ist jetzt mehr gefragt denn je. Parolen gehören hinterfragt: Der ‚saubere Strom aus Wasserkraft’ bedeutet einen in Wahrheit nicht zu verantwortenden Naturverbrauch. Dahinter steckt ein wirtschaftlich unrentables und ökologisch von den Naturschutzverbänden WWF und Naturschutzbund NÖ abgelehntes Projekt, welches einen seltenen Lebensraum für Tiere und Pflanzen weiter beschneidet. Die dürftige Stromproduktion steht in keinem Verhältnis zum angerichteten Schaden und rechnet sich für den Konzern bestenfalls in etlichen Jahrzehnten – und das auch nur  mit Hilfe von Ökoförderung, die wir als Konsumenten einzahlen“, betont Clemens Feigel.

Info: „Das Leben ist ein freier Fluss (2) – die Ausstellung zum Fotowettbewerb
Eröffnung: 4. März 2017 um 16 Uhr
Ausstellungsdauer: 5. März bis 2. April 2017
Öffnungszeiten Do. 16 – 20 Uhr, So. 14 – 20 Uhr bzw. gegen Voranmeldung
Adresse: 3593 Wegscheid am Kamp, Nr. 14

www.eremitageamkamp.at

Teilnehmende FotografInnen:
Eva Bauer, Zöbing
Johann Berger, Zwettl
Jürgen Berger, Langenlois
Andrea Brückner, St. Leonhard am Hornerwald, Wien
Wolfgang Dolak, Schrems
Hemma Faiman, Langenlois
Peter Faschingleitner, Reinsberg
Werner Gamerith, Waldhausen
Helga Klinger, Gars am Kamp
Rosa Knecht, Wegscheid am Kamp, Wien
Astrid Knie, Wien, Stiefern
Sarah Kupfner, Gars am Kamp
Florian Leitner, Zwettl
Peter Lenz, Neustift, Kirchberg am Wagram
Petra Lepuschitz, Wien
Julia Mang, Gars am Kamp
Josef Moritz, Rechberg
Rudi Mück, Gars am Kamp
Elisabeth Riederer, St. Leonhard
Sabine Scherbl, Wegscheid am Kamp
Matthias Schickhofer, Wien
Alexander Schneider, Perg
Josef Stefan, Ziersdorf
Sibylle Steidl, Gars am Kamp
Subhash, Hausbach / Schwarzenau
Stefan Teufl, Rudmanns
Birgit Walk, Wien
Doris Walter, Gars
Gerald Wippel, Ternitz
Anton Zach, Weitra
Barbara Zohner, Krems

 

Kraftwerkskonflikt in Graz: Stur an der Mur

Die Wahlnacht war noch nicht zu Ende, fuhren schon die schweren Maschinen auf: Seit Montag 6. Februar wird am Ufer der Mur in Graz gerodet. Der Grund dafür ist ein höchst umstrittenes Kraftwerk, das nach Meinung sämtlicher Naturschutzorganisationen weder ökologisch noch ökonomisch Sinn ergibt.

Das Magazin News berichtet aktuell ausführlich darüber.

Der WWF-Flussexperte Gebhard Tschavoll meint dazu: „Bevor die letzten frei fließenden Flussstrecken verbaut werden, sollten vorhandene Mittel in zukunftsfähigere Projekte investiert werden.“ Der WWF hat zur Entwicklung ausführlich Stellung genommen: WWF verurteilt Rodungen.

Eine vom WWF in Auftrag gegebene Wirtschaftlichkeits-Studie zu aktuell geplanten Wasserkraftwerken in Österreich kommt zum klaren Ergebnis: Das Murkraftwerk rechnet sich nicht. Noch schlimmer steht es übrigens um den von der EVN geplanten Neubau des Kraftwerks Rosenburg…  Das Projekt ist wirtschaftlich nicht darstellbar.

Laut Berechnungen der Grünen könnten mit den Projektkosten des Murkraftwerkes 750 Gebäude in Graz thermisch saniert werden. Mit einer Investition von 74 Millionen Euro in Photovoltaik-Anlagen könnte man denselben Energie-Output wie das  Murkraftwerk erzielen, ohne, dass ein einziger Baum gefällt werden muss.

Die Grazer Initiative „Mur findet Stadt“ hat eine höchst interessante Alternative zur Verbauung der Mur in Graz vorgeschlagen: Die Mur renaturieren und den Grazerinnen und Grazern als Erholungs.- und Naturraum zurückzugeben…

Das Polit-Establishment von Graz hält aber nach wie vor stur am Kraftwerk an der Mur fest. Die Frage stellt sich: warum?

Unterdessen spitzt sich die Lage am Murufer zu: Viele Menschen demonstrieren friedlich für Demokratie (Abhaltung einer Volksbefragung)  und gegen das Kraftwerk. Ein Aktions-Camp wurde errichtet. Es wurden aber bereits gewaltsame Übergriffe von Sicherheitsleuten gegen Umweltschützer dokumentiert.

Wir hoffen, dass die Regierenden von Graz den Ausstieg aus diesem selbstverschuldeten Debakel bzw. dieser sinnbefreiten Eskalation schaffen, bevor noch mehr Schaden angerichtet wird.

Und wir hoffen, dass Niederösterreich g’scheiter ist und eine derartige Situation am Kamp gar nicht erst entstehen läßt…

Aktuelle Infos zu Widerstand, Mitmachen und Hintergrund gib es hier: Rettet die Mur!

Werner Gamerith: Die Natur einer Kulturlandschaft

Vortrag und Buchpräsentation von Werner Gamerith

Für Mensch und Natur hat das Kamptal überregionale Bedeutung. Es war
 Zentrum der mittelalterlichen Kolonisation und gründerzeitlicher
 Sommerfrische, ist Standort von Klöstern und Burgen, alten Mühlen und
 neueren Kraftwerken, großartigen Naturresten und lohnenden Wanderzielen.
Das Katastrophenhochwasser 2002 war ein Anstoß, das Flusssystem als
 Ganzheit zu betrachten, ihm und seiner Lebenswelt wieder Raum
zurückzugeben. Leider droht schon wieder ein Kraftwerksbau in einem besonders sensiblen Abschnitt des Mittellaufs.
Trotz mancher Verluste ist viel Ursprüngliches erhalten: Bäche und Moore, 
traditionelle Streifenfluren und grandiose Felsbildungen, Naturwälder oder
 pannonische Trockenrasen werden von selten gewordenen Pflanzen und Tieren 
bewohnt.
Der Vortrag stellt – ebenso wie der gleichnamige Bildband – diesen 
Reichtum vor.

Referent: DI Werner Gamerith, Waldhausen im Strudengau
Studierte an der BOKU Kulturtechnik und Wasserwirtschaft, lebt auf einem kleinen Bauernhof, pflegt und gestaltet mit seiner Frau einen Natur- und Biogarten, fotografiert, schreibt und hält Vorträge zu ökologischen Themen.
Seine Bücher, u.a. „Naturgarten – Der sanfte Weg zum Gartenglück“, vermitteln naturnahe Gartengestaltung, ökologische Zusammenhänge und ein zukunftsfähiges Wertebewusstsein, das man auch in einem kleinen Garten üben kann.
Konrad-Lorenz-Preis-Träger und weitere Auszeichnungen.

Bücher von Werner Gamerith können nach dem Vortrag erworben und signiert werden.

Wann: Dienstag, 4. Oktober, 2016 um 19.00 Uhr


Wo: Stift Zwettl

Diese Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Kath. Bildungswerk Stadt und Stift Zwettl durchgeführt.

Bitte hinkommen – und weitersagen!

EVN hält am Neubau des Kamp-Kraftwerks Rosenburg fest 

Umweltschützer reagieren enttäuscht und kündigen Widerstand an

Die EVN informierte heute, Freitag 12.8.2016, die Naturschutzverbände, dass der behördliche Genehmigungsprozess  beim Neubau des historischen Kleinwasserkraftwerks Rosenburg im Rahmen einer ‚Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)‘ stattfinden wird. Laut einem Konzernsprecher sei das vom Amt der NÖ Landesregierung so entschieden worden, nun werde das Detailprojekt ausgearbeitet. Damit hat die EVN wohl die Entscheidung getroffen, das Kraftwerk einzureichen und das Verfahren durchzuziehen. Die „Aktionsgruppe Lebendiger Kamp“ reagiert enttäuscht auf diese Verlautbarung und kommentiert die Entwicklung wie folgt:

„Es gab mehrere Kooperations-Angebote von Umweltschutzorganisationen an die EVN „naturkraft“. Damit sollte ein Weg gefunden werden, der die einmalige Naturlandschaft im mittleren Kamptal vor weiteren schwerwiegenden Eingriffen verschont, die Region wirtschaftlich stärkt und Vergeudung von Geld der EVN-Kunden sowie öffentlicher Mittel vermeidet. Die EVN hat diese Botschaft offenbar nicht verstanden oder nicht ernst genommen.

Es ist angesichts der offenkundigen energiewirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit, der Unwirtschaftlichkeit, der unvermeidlichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und der stark negativen ökologischen Auswirkungen des Kraftwerks-Neubaus unverständlich, warum die EVN an dem Projekt festhält.

Wir haben wiederholt an den EVN-Mehrheits-Eigentümer, das Land NÖ appelliert, das Projekt zu stoppen, um weitere Konflikte und Schäden für die Umwelt zu vermeiden. Diese Aufforderung halten wir – mit gesteigerter Vehemenz – weiterhin aufrecht. Das gleiche gilt für das Angebot, einen gemeinsamen Weg ohne Kraftwerksneubau zu finden.

Sollte die EVN das Projekt aber tatsächlich zur Genehmigung einreichen, werden wir sehr darauf Acht geben, dass alle rechtlichen Rahmenbedingungen genauestens eingehalten werden. Besonders werden wir unser Augenmerk darauf richten, dass unabhängige Gutachter involviert werden, die von allen anerkannt sind und die unbefangen agieren können. Aufgrund der Erfahrungen bei den historischen Auseinandersetzungen im Kamptal wie auch in Hainburg in den Achtzigerjahren sind wir überzeugt, dass ein positiver Behördenentscheid für einen Kraftwerksneubau in einem Landschafts- und Europaschutzgebiet nur durch Rechtsbeugung zustande kommen kann. Sollte dieser Fall eintreten, werden wir – wie dies auch beim EVN-Kraftwerksprojekt Ferschnitz an der Ybbs erfolgreich passiert ist – die Europäische Kommission einschalten. Das mittlere Kamptal ist ein in Österreich einzigartiges Naturjuwel. Wir werden es mit aller Kraft verteidigen.“

Vortrag von Werner Gamerith: Naturjuwel Kamptal

Vom rauen Waldviertel bis zum Weinbaugebiet beherbergt das Kamptal wertvollste Natur- und Kulturlandschaften mit interessanten Pflanzen, Tieren und Lebensräumen. Leider droht schon wieder ein Kraftwerksbau in einem besonders sensiblen Abschnitt des Mittellaufs.

In Bild und Wort vermittelt der Vortrag Schönheit und Wert dieses Schatzes.

Wann? Mittwoch 8.Juni 2016, 18:30

Wo? Naturhistorisches Museum Wien, Vortragssaal

Bitte hinkommen und weitersagen!

WWF warnt vor weiterem EU-Verfahren in der Causa Kraftwerk Rosenburg

WWF Presseinformation
EU-Rüffel für Österreich beim Kraftwerk Ferschnitz: WWF warnt vor weiterem EU-Verfahren in der Causa Kraftwerk Rosenburg am Kamp
Utl.: Kraftwerksneubau im Kamptal würde seltene Au, Naturwald und intakte Fließstrecke schädigen
Wien am 29. April 2016 – Angesichts der gestrigen EU-Rüge für Österreich wegen Nichtbeachtung von EU-Naturschutz-Vorschriften (Natura 2000) beim Bau des Ybbs-Kraftwerks bei Ferschnitz in Niederösterreich warnt der WWF vor ähnlichen Konflikten im Fall des Kraftwerks Rosenburg am Kamp.
Christoph Litschauer, Flussexperte beim WWF Österreich, kommentiert die Situation wie folgt:
„Der von der EVN beabsichtigte Neubau des Klein-Kraftwerks Rosenburg hätte schwere Beeinträchtigungen von natürlichen Lebensräumen zur Folge, die als Europaschutzgebiet gewidmet sind. Die geplante Anhebung des Wasserspiegels durch eine neue Staumauer würde eine sehr seltene Hartholzau und natürliche Ufer von prioritär geschützen Schlucht- und Hangmischwäldern beeinträchtigen. Dies widerspricht dem Erhaltungsziel des Natura 2000-Gebietes und kann, ähnlich wie beim Kraftwerk Ferschnitz an der Ybbs, zu einem EU-Vertragsverletzungsverfahren führen. Außerdem drohen schwere Schäden für den natürlichen Fluss durch Ausbaggerungen im Unterwasser. Wir appellieren dringend an die EVN und ihre Eigentümer, allen voran das Land NÖ, weitere Konflikte zu vermeiden und von jeglichen neuen Eingriffen in das Europaschutzgebiet Abstand zu nehmen!“

EU-Rüge für Österreich: Nichteinhaltung von EU-Richtlinie im Fall Kraftwerk Ferschnitz / Ybbs

EU-Kommission kritisiert Österreich (neben anderen) für Nicht-Einhaltung der der Natura-2000-Bestimmungen in NÖ: „Bei dem fraglichen Gebiet (Kraftwerk Ferschnitz / Ybbs, Anmk.) handelt es sich um eines der beiden wichtigsten Gebiete zur Erhaltung des Huchens (hucho hucho). Das gesamte Gebiet befindet sich in einem nicht zufriedenstellenden Zustand, und das Vorhaben würde die Belastung der Gewässer am Standort noch erhöhen. (…) Da die österreichischen Behörden das Verfahren nicht ordnungsgemäß angewandt haben, übermittelt die Kommission Österreich nun eine mit Gründen versehene Stellungnahme und fordert das Land auf, die FFH-Richtlinie vollständig einzuhalten. Kommt Österreich dieser Aufforderung nicht binnen zwei Monaten nach, kann die Kommission den Fall an den Gerichtshof der Europäischen Union verweisen.“

Hier findet sich die Presseerklärung der EU-Kommission

Wir fragen uns: Soll sich dieser Vorgang im Fall Kraftwerk Rosenburg wiederholen? 

Landesrat Stephan Pernkopf hat leider auf den offenen Brief von Naturschutzbund, WWF und Riverwatch mit der Bitte um ein konstruktives Gespräch („Flüsse-Gipfel“) über die EVN-Pläne in Rosenburg bis Dato (29. April 2016) noch immer nicht reagiert…

 

Offener Brief: NGOs fordern Flüssegipfel zur Zukunft des Kamptales

Sehr geehrter Herr Landesrat,
die aktuellen Entwicklungen beim Wasserkraftausbau in Niederösterreich und insbesondere im Kamptal erfüllen die unterzeichnenden Naturschutzorganisationen mit großer Sorge.

Wir begrüßen die Initiativen des Landes Niederösterreich, den Anteil der Erneuerbaren zu steigern, Verbrauchsziele zu definieren und die Energieeffizienz voranzutreiben. Eine undifferenzierte Befürwortung der Wasserkraft ist jedoch sehr bedenklich. So steht beim Kraftwerk Rosenburg am Kamp der geringe energetische Zugewinn von  1,8 GWh/a in keinem Verhältnis zum Verlust an Flussnatur, der mit dem Neubau einhergeht. Zu den Schäden an den bedrohten Arten und Lebensräumen des Europaschutzgebiets gesellen sich potentielle negative Auswirkungen auf das soziale Klima und auf die Reputation von Betreiber und Politik: Das Kamptal war noch vor dem historischen Konflikt in den Hainburger Donau-Auen Schauplatz der ersten harten Auseinandersetzung zwischen Kraftwerksbetreibern und dem Naturschutz.

Im Sinne einer vorausschauenden Planung und zur Konfliktvermeidung wäre die Energiewirtschaft deshalb gut beraten, die Sensibilität von Standorten zu bedenken und gemeinsam mit Umweltverbänden in einem ehrlichen und transparenten Prozess nach Lösungen zu suchen. Beim geplanten Neubau des Kraftwerks Rosenburg ist die Einbindung der NGOs misslungen: Mit den NGOs getroffene Abmachungen hinsichtlich der Variantenprüfung wurden nicht eingehalten, ihre Bedenken nicht berücksichtigt. Im Gegenteil: Die im Dezember 2015 präsentierten EVN-Pläne zielen sogar auf wesentlich massivere Eingriffe in die Naturgüter ab, als dies zu Beginn des so genannten „Beteiligungsprozesses“ im Juni 2015 kommuniziert wurde. Die fundierten inhaltlichen Stellungnahmen der Naturschutzorganisationen wurden nicht eingearbeitet, sondern lediglich als „Anhang“ erwähnt. Eine solche Vorgehensweise ist nicht geeignet, konstruktive zivilgesellschaftliche Mitwirkung zu stärken, zerstört Vertrauen und schürt den Konflikt.

Die Umweltorganisationen Naturschutzbund NÖ, Riverwatch, der WWF Österreich sowie zahlreiche engagierte Privatpersonen und Künstler der Region befürchten, dass die aus unserer Sicht inakzeptable Vorgangsweise rund um die geplante Neu-Errichtung des Kraftwerks Rosenburg ein Präzedenzfall für ähnlich gelagerte Projekte werden könnte.
Wir sind zudem der Überzeugung, dass auch die Einhaltung der EU-Richtlinien (Natura 2000, Wasserrahmenrichtlinie) hier nicht gegeben ist: Im ökologisch herausragenden Kamptal ist besonderes Augenmerk auf das Unterbinden von Verschlechterungen für Schutzgüter und Gewässer-Qualitätskriterien zu legen. Ein „überwiegendes öffentliches Interesse“ an einem Neubau des KW Rosenburg ist angesichts der energetischen Bedeutungslosigkeit des Vorhabens schwer argumentierbar.
Die letzten großen naturnahen Flusstäler des mittleren Kamps, der Ybbs und der Erlauf haben nicht nur eine außergewöhnliche ökologische Bedeutung, sondern sollten auch als Reliktstandorte anderswo längst verschwundener Flussnatur für nachfolgende Generationen erhalten bleiben.
Sehr geehrter Herr Landesrat, Sie haben auf unsere Initiative vom Dezember 2015 für einen Niederösterreichischen Flüssegipfel bis heute nicht reagiert. Wir sind weiterhin zu einer konstruktiven Zusammenarbeit bereit und möchten unser Dialogangebot mit Nachdruck erneuern. Um eine Lösung zu finden, die sowohl dem Naturschutz als auch dem Klimaschutz zuträglich ist, bedarf es einer ausgewogenen Entscheidung des Mehrheits-Eigentümers und der Politik.
Wir ersuchen Sie eindringlich, unser Dialogangebot anzunehmen und zügig den „Flüsse-Gipfel“ über die Zukunft des Kamptales anzuberaumen. Wir sind überzeugt, dass es möglich ist, einen Konflikt wie in den 80iger-Jahren zu vermeiden und gemeinsam Lösungen zu finden.

Mit freundlichen Grüßen, 

für die Initiative Lebendiger Kamp
Andrea Johanides
WWF Österreich

DI Ulrich Eichelmann
Riverwatch

Univ.-Prof. Dr. Walter Hödl
Naturschutzbund NÖ

(11.3.2016)

Das Leben ist ein freier Fluss – Ausstellung, Eremitage / Kamp (6.3.-1.5.)

Der beabsichtigte Ausbau des Kleinkraftwerks Rosenburg bedroht einer der letzten ursprünglichen Flusslandschaften Österreichs. Unter dem Deckmantel „saubere Energie“ soll ein kleines aber unschätzbares Naturreservat für eine mögliche Gewinnoptimierung der EVN zurechtgestutzt werden.

Dreißig Künstler und Künstlerinnen nehmen mit ihren Arbeiten Stellung, warum die Erhaltung einzigartiger wilder Räume zum Menschsein unerlässlich ist. Die generationenubergreifende Bedeutung dieses drohenden Verlustes wird auch dadurch verdeutlicht, wenn zwischen der jüngsten Mitwirkenden, Simone Einfalt (geb. 1990) und der ältesten, Tatjana Gamerith (geb. 1919), fast ein dreiviertel Jahrhundert Lebenserfahrung liegen. Die Sehnsucht, dass nicht alles was uns wichtig ist, einer wirtschaftlichen Maximierung geopfert wird, bleibt bestehen!

Mit:
Iris Andraschek, Peter Berger, Christina Chra Nemec, Eva Eder N., Simone Einfalt, Tatjana Gamerith, Sonia Gansterer, Dieter Graf, Michael Goldgruber, Karin Hatwagner, Gudrun Kampl, Noemi Kiss, Hubert Lobnig, Michael Ollinger, Franziska Maderthaner, Christine Maringer, Norbert Maringer, Alois Mosbacher, Robert Petschinka, Eugen Plan, Stefan Sakic, Matthias Schickhofer, Claudia Schumann, Franz Seitl, Gudrun Seitl, Daniel Sporri, Janos Szabo, Barbara Raderscheidt, Christoff Wiesinger, Hans Wortl

Eröffnung am Sa., 05. Marz 2016 um 16 Uhr
Ausstellungsdauer: 06.03 – 01.05.2016

Öffnungszeiten: Do 16 – 20 Uhr, So 10 – 20 Uhr
3593 Wegscheid am Kamp, Wegscheid 14
Kontakt: Obmann Clemens Feigel, Tel. 0664 5655100

http://eremitageamkamp.at/