150 Menschen bei Kamptalwanderung

Mehr als 150 Menschen folgten am Samstag dem 14.11.2015 der Einladung der Aktionsgruppe „Lebendiger Kamp“ gemeinsam mit dem Naturschutzbund NÖ und dem WWF zum Lokalaugenschein beim Kraftwerk Rosenburg – und informierten sich über die Auswirkungen des geplanten Kraftwerksneubaus. Sogar aus Tirol waren Mitglieder der WWF Jugendorganisation „Generation Earth“ angereist, um das Kamptal kennen zu lernen.

Der bekannte Kamp-Buchautor Werner Gamerith und der Naturschutzexperte Univ.Prof. Dr. Bernd Lötsch erläuterten die von der EVN bisher vorgelegten Pläne und strichen bervor, dass der geringe Zuwachs an Stromausbeute die Eingriffe auf bis zu über zwei Kikometer freier Fließstrecke keinesfalls rechtfertigen könne: Der Kamp ist hier als Landschaftsschutzgebiet und als Europaschutzgebiet gewidmet, was ökologische Verschlechterungen eigentlich ausschliessen sollte. Darüber hinaus haben zwei frühere Minister gemeinsam mit dem WWF diesen betroffenen Abschnitt auch als „Flussheiligtum“ klassifiziert. Die neuen Kraftwerkspläne sorgte daher bei den vielen BesucherInnen für Kopfschütteln.

Die VertreterInnen der Naturschutzorganisationen legten ihre Position klar: Es gibt keine fundamentalen Vorbehalte gegen eine Modernisierung der Turbinen und eine Bestandssanierung beim alten Kraftwerk, um einen höheren Wirkungsgrad zu erzielen. Eingriffe in die freie Fliessstrecke lehnen die Organisationen aber klar ab. Sollte eine Bestandssanierung ohne Eingriff in den Naturraum sich als nicht ausreichend rentabel für die EVN erweisen, wird ein Rückbau der Kraftwerksanlage empfohlen. Dies könnte im Rahmen einer breiten Natur-Partnerschaft zwischen dem Betreiber EVN naturkraft  und NGOs erfolgen. Damit würde es auch möglich sein, die Gesamtregion zu fördern.

Die NGOs sind derzeit mit der EVN in einem Diskussionprozess bezüglich möglicher Optionen für das Kamptal und werden bis zum 23.11. Stellungnahmen  zu den ersten Variantenuntersuchungen der EVN einbringen. Die NGOs hoffen, dass der (zu begrüssende) Dialog-Prozess mit der EVN  vom Projektwerber tatsächlich ernst genommen wird und dass eine tragbare Lösung für alle Seiten – vor allem für den Kamp – zur Umsetzung kommt.

Das Kamptal, die EVN und ein Kraftwerksneubau…

Das mittlere Kamptal ist ein einzigartiges Naturparadies und wurde vom WWF und vom Lebensministerium als „Flussheiligtum“ ausgezeichnet. Daher sollte es eigentlich unantastbar sein. Doch nun drohen der Abriss und der erweiterte Neubau des alten Kraftwerks Rosenburg. Die Aktionsgruppe „Lebendiger Kamp“ will das Kamptal in seiner Schönheit, Wildheit und Artenvielfalt erhalten..

Der niederösterreichische Kraftwerksbetreiber EVN verfolgt den Plan, das alte Kraftwerk Rosenburg durch eine größere Anlage zu ersetzen. Dazu wurde im Sommer 2015 mit Varianten-Untersuchungen begonnen. Für das neue Kraftwerk würde eine höhere Beton-Staumauer errichtet, der bestehende Stauraum  auf mindestens einen Kilometer in das Europaschutzgebiet hinein verlängert und die Flusssohle im Unterwasser durch Ausbaggerungen schwer geschädigt werden. Die Energieausbeute des neuen Kraftwerkes wäre bescheiden und würde in keinem sinnvollen Verhältnis zur dadurch angerichteten Zerstörung der freien Fließstrecke stehen.

Um das einmalige Kamptal in seiner Schönheit und Artenvielfalt zu erhalten, haben sich engagierte Menschen mit NGOs und ExpertInnen zusammengetan – und die „Aktionsgruppe Lebendiger Kamp“ ins Leben gerufen.

Wir sind der Meinung, dass das wunderbare Kamptal als Naturraum für die hier vorkommenden Arten als Lebens- und für die Menschen als Erholungsraum bewahrt werden muss!
Ein Kraftwerksneubau ist im Europasschutzgebiet Kamptal nicht vertretbar.

Wir treten vehement für die ökologische Energiewende ein.
 Der Ausbau von Sonnen-, Wind- und Biomasseenergie sowie Energieeinsparung und die bessere Effizienz bestehender Kraftwerke sind das klare Ziel – auch von uns NaturschützerInnen! Dazu ist es natürlich sinnvoll, bestehende Wasserkraftwerke zu optimieren.

Im Gegensatz zu den von der EVN vorgelegten Plänen für den Kamp bei Rosenburg etwa ist im Falle des EVN-Kraftwerkes Mühlhof in Scheibbs das Wort Revitalisierung tatsächlich angebracht:  Das unter Denkmalschutz stehende historische Kraftwerksgebäude wurde mustergültig renoviert, mit neuer Turbinentechnik die Stromausbeute um 10 % erhöht, ohne dass das Wehr erhöht oder das Unterwasser eingetieft wurde. Warum ist so eine behutsame Vorgangsweise an der regulierten Erlauf im Stadtgebiet von Scheibbs möglich, nicht aber beim als Flussheiligtum ausgewiesenen Kamp bei Rosenburg?

Wir lehnen es ab, für eine dürftige Steigerung in der Stromausbeute eines unserer letzten intakten Flussheiligtümer zu schädigen. Wir weisen es zurück, so ein Vorhaben auch noch als ökologisch optimierte Revitalisierung zu verharmlosen. Das teilweise durch Staumauern bereits  ökologisch  stark beeinträchtigte Kamptal verdient vielmehr eine Renaturierung und keine weiteren Eingriffe in den Naturraum durch Kraftwerksneubauten.

Nun braucht es viele Stimmen von engagierten Menschen, um das einmalige Kamptal zu retten! Machen auch Sie / mach auch Du mit:  Aktiv werden