Kraftwerksneubau

Kraftwerksneubau, getarnt als „Revitalisierung“…
Gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie muss die EVN in Zukunft mehr Wasser in die Restwasser-Flussstrecke unterhalb das Wehrs ablassen, um weiterhin eine Betriebsgenehmigung zu erhalten. Das würde die Stromausbeute etwas verringern. Deshalb will die EVN nun gleich die gesamte alte Anlage durch einen Neubau ersetzen. Um das Vorhaben in der Öffentlichkeit schöner aussehen zu lassen spricht die EVN geschickt von einer „Revitalisierung“ und behauptet, eine „ökologisch optimierte Variante“ anzustreben.
Das alte Kraftwerk und neue Kraftwerkspläne

Das 1907 eröffnete Kraftwerk Rosenburg nützt das Gefälle der drei Kilometer langen Kampschlinge am Umlaufberg. Das an den Steilhang geschmiegte Turbinenhaus ist nur durch eine Furt für Fahrzeuge erreichbar. Gegenüber endet die Sackstraße bei der herrschaftlichen Rauscher- oder Zinnermühle des Stiftes Altenburg. Weiter talaufwärts führen nur mehr schmale Fahrwege und Wanderwege in das immer einsamere und wildere Kamptal.
Die bestehende mehr als 100 Jahre alte Wehranlage ist gut in die Landschaft integriert, es sind wieder naturnahe Uferzonen im alten Staubereich entstanden. Der lebendige Fluss ist freilich unterbrochen, auch wenn seit der Reparatur nach dem Hochwasser eine Fischaufstiegshilfe eingebaut wurde.
1983 konnten zwei Großkraftwerke durch Bürgerprotest mit Unterstützung der „Kronen Zeitung“ abgewehrt werden. Das damalige Vorhaben wird heute selbst von EVN-Vertretern als “Wahnsinnsprojekt“ bezeichnet.
Aber nun will die EVN wieder ein Kraftwerk am Standort Rosenburg errichten. Möglicherweise werden die Nachfolger der heutigen EVN-Manager auch darüber in Zukunft ähnlich urteilen…

Das Neubauprojekt – um das geht es:
⁃    50 bis 100 m unter der bestehenden Wehranlage soll eine um 2,5  bzw. um 4 (Maximalvariante) Meter höhere Beton-Staumauer gebaut werden. Der Rückstau in die naturbelassene Flusstrecke würde sich dadurch auf mindestens einen Kilometer verlängern. Wilde Ufer, naturnahe Hangwälder (Uferbereich) und eine sehr seltene Hartholzaue oberhalb des alten Staubereiches würde durch die Anhebung des Wasserspiegels geschädigt bzw. zerstört.

⁃    Das Krafthaus, ein Industriedenkmal, soll abgerissen und durch einen Zweckbau ersetzt werden.

⁃    Die Flusssohle des Unterwassers beim Krafthaus soll 1,5 Meter eingetieft, 20.000 m³ auf einer Länge von 1,2 Kilometer ausgebaggert und im Stauraum deponiert werden. Der lebendige Fluss würde dadurch in einen trägen Kanal mit minimalem Gefälle verwandelt. Eine nach dem Katastrophenhochwasser entstandene Au, die aus Gründen des Hochwasserschutzes bewahrt wird, würde durch die Ausbaggerung vom Fluss getrennt und somit für den Hochwasserschutz entwertet werden. Kleingewässer und Rückhalteräume für Hochwässer gingen verloren. Der Abtransport der Schottermengen würde eine neue Straße am Ufer erfordern.

⁃    Eine breitere Zufahrtsstraße durch die Steilhänge zu den Baustellen, wo jetzt nur Waldwege führen, wäre unvermeidlich, der Steg beim Krafthaus würde durch eine Straßenbrücke ersetzt. Und nicht nur während der Bauarbeiten ist es mit der Ruhe im stillen Tal natürlich vorbei…

Unterwasser beim alten Kraftwerk. Hier soll augebaggert werden.
Unterwasser beim alten Kraftwerk. Hier soll augebaggert werden.

Europaschutzgebiet Kamptal: Kraftwerksneubau versus gesetzlichen Schutz
Auch gemäß dem gesetzlich festgelegten NÖ-Landschaftsschutz darf ein Vorhaben nicht genehmigt werden, wenn dadurch die Schönheit und Eigenart der Landschaft dauerhaft beeinträchtigt würde. Man darf gespannt sein, ob dieser Passus im NÖ-Naturschutzgesetz auch Wirkung entfalten wird, zumal das Land Niederösterreich als Eigentümer der EVN in einer – unvereinbaren – Doppelrolle auftritt: Das Land NÖ ist gleichzeitig Konsenswerber (Projektbetreiber) und Genehmigungsbehörde.

Umweltlandesrat Stephan Pernkopf (VP) will Niederösterreich bis Ende 2015 zu 100 % mit erneuerbarer Energie versorgt sehen. Dazu würden noch drei Prozent fehlen (Sommergespräch 2015 in „Heute„). Eine Energiepolitik mit verstärkter Nutzung der heimischen erneuerbaren Energiequellen ist vernünftig und eine gute Sache. Aber derartige Verknüpfungen mit kurzfristigen Zielsetzungen führen dazu, dass unnötiger Zeitdruck entsteht, in dem dann kostbare Naturschätze für politische Zwecke geopfert werden.

Alle betroffenen Lebensräume: uferbegleitende Auwälder, Hang- und Schluchtwälder, freie Fließstrecke mit ihrer Artengarnitur befinden sich derzeit unter Natura2000-Schutz und damit auch dem Nö Landesnaturschutzgesetz. Hier ist bei jeder Vegrößerung der Fallhöhe durch Stau und Ausbaggern mit Verschlechterungen der sogenannten „Schutzgüter“ (also der geschützten Arten und Lebensräume) zu rechnen!
Das mittlere Kamptal ist als Europaschutzgebiet ausgewiesen, um die hier vorkommenden seltenen Arten und „Lebensraumtypen“ zu bewahren. Das Gebiet steht also unter gesetzlichem Schutz der EU und es gelten das sogenannte gesetzliche ökologische „Verschlechterungsverbot“ und das „Verbesserungsgebot“.

Wir sind daher überzeugt: Nur politischer Druck durch viele engagierte Menschen kann das lebendige Kamptal erhalten und uns und der Natur Betonmauer und Ausbaggerung ersparen!

Schon einmal, 1983 wurde dieses Naturjuwel vor noch größeren Stauwerksplänen erst durch den beherzten Widerstand der Naturschützer gerettet.

Jetzt müssen wir wieder aktiv werden!
Ort der geplanten Unterwassereintiefung.
Ort der geplanten Unterwassereintiefung.